Dr. Josef Stockinger, Landwirtschafts- und Gemeindereferent, in der Kirchenzeitungsserie: Landesregierung im Gespräch.
Wo sehen Sie die größte Herausforderung? Was soll 2009, am Ende der Legislaturperiode, am deutlichsten anders/besser sein? Stockinger: Mit der Zukunft der Bauern entscheidet sich auch die Lebensqualität des Landes. Ich möchte, dass sich alle Oberösterreicher/innen bewusst werden, wie wichtig eine umweltgerechte und nachhaltige Landwirtschaft für Ernährung, Umwelt, Tourismus und Wirtschaft ist. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Bauern mehr als bisher auf die Konsumentenwünsche eingehen und tragfähige Brücken entstehen.
Bei welchen Aufgaben sehen Sie Berührungsflächen zur Kirche? Stockinger: Als Gemeindereferent will ich die Lebensqualität des ländlichen Raumes besonders im Auge behalten. Ich hoffe, in diesen Zukunftsfragen in der Kirche Partner zu finden. Die Sorge der Bauern, heute noch richtig verstanden zu werden, ist auch in kirchlichen Diskussionen immer wieder spürbar. Fruchtbare Zusammenarbeit gibt es im Bereich der Entwicklungshilfe. Oberösterreich kooperiert eng mit den kirchlichen Einrichtungen, vor allem mit der Aktion „Sei so frei“.
Wo wünschen Sie sich ein kritisch-waches Engagement gerade auch von Christen? Stockinger: Da ich auch für die großen Landespflegeeinrichtungen mit dem Bereich der Sozialpädagogischen Zentren zuständig bin, sehe ich zwei riesige Probleme: Es braucht angesichts der Bevölkerungsentwicklung eine breite Diskussion und ein soziales Zukunftskonzept in Richtung eines „aktivierenden Sozialstaates“. Mir fällt aber auch auf, dass wir nie zuvor so viel in Familien, Jugendeinrichtungen, Soziales, Bildung und Kultur investiert haben und gleichzeitig die Zahl der Krankheiten, psychischen und seelischen Verletzungen, der Gewalt in und außerhalb der Familie, der Störungen durch nicht gelungene Lebenskonzepte dramatisch steigt. Hier müssten wir gemeinsam nachdenken und den Wertekompass unserer Gesellschaft überprüfen.