Österreich ist keine „Insel der Seligen“. Deshalb sollen in der Biomedizin rechtzeitig ethisch vertretbare Weichen gestellt werden, fordert die Aktion Leben.
Zum zweiten Mal startete die Aktion Leben Österreich vergangene Woche eine „Parlamentarische Bürgerinitiative“ zu ethisch brisanten Bereichen der Biomedizin. „Wir wollen damit erreichen, dass diese grundlegenden Fragen von der Öffentlichkeit und von der Politik möglichst breit diskutiert werden. Und wir streben die Schließung von Gesetzeslücken an, um Praktiken zu verhindern, die die Menschenwürde und die Schutzwürdigkeit des Lebens untergraben“, betont Martina Kronthaler von der Aktion Leben.
Rasch handeln
Die Sache sei deshalb dringlich, weil um diese Fragen derzeit europaweit gerungen werde und der Druck für möglichst freizügige Lösungen wachse, meint Johann Hager, Rechtsexperte der Aktion Leben. Auch in Österreich stehen die Themen Klonen, Embryonenforschung und Präimplantationsdiagnostik seit Monaten auf der Tagesordnung der Ethikkommission der Bundesregierung. Es gehe um europäische Positionierungen ebenso wie um Änderungen des Fortpflanzungsmedizingesetzes, betont Hager. Außer- dem werde derzeit im österreichischen Verfassungskonvent um eine positive Absicherung der Grundrechte (Menschenwürde, Schutz der Person etc.) gerungen.
„Es ist daher wichtig, wenn wir unsere Positionen zu diesen Fragen mit der Unterstützung möglichst vieler Bürger/-innen rechtzeitig einbringen“, begründet Hager die Bürgerinitiative. Die Aktion Leben will damit drei konkrete Ziele erreichen (siehe Unterschriftenkasten). „Beim Klonen gibt es die größte Übereinstimmung, dass das der Menschenwürde widerspricht. Allerdings findet das Klonen für Forschungszwecke zunehmend Befürworter. Deshalb ist es wichtig, diese Sache gesetzlich klar und rasch zu regeln“, betont Hager.
Bei der Forschung an embryonalen Stammzellen gebe es auch in Österreich starke Befürworter, meint Hager. Gesetzlich ist die Herstellung embryonaler Stammzellen und die damit verbundene Tötung von Embryonen verboten, nicht aber die Forschung an importierten embryonalen Stammzellenreihen. „Wir wollen, dass in Österreich auf diese Forschung verzichtet wird. Dafür soll die medizinisch schon erste Erfolge zeigende Forschung mit adulten Stammzellen gezielt gefördert werden“, betont Hager.
Besonders akut ist derzeit die Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID). Dabei handelt es sich um eine genetische Überprüfung und Auswahl (Selektion) von Embryonen, die im Reagenzglas (in vitro) hergestellt wurden. Damit könnten Risikopaare mit Erbkrankheiten gesunde Kinder bekommen, machen Fortpflanzungsmediziner wachsenden Druck. Behindertenverbände wehren sich dagegen, weil Behinderung damit als Aussonderungsfall, als unnötiger „Betriebsunfall“ qualifiziert wird. In Deutschland sind auch fast alle Frauenorganisationen gegen die PID , weil sie eine enorme psychische und physische Belastung darstellt. Um genügend Eizellen für die Genselektion zu haben, sind massive Hormonbehandlungen nötig. Außerdem ist die Unsicherheit, ob die Frau dann schwanger wird und ob dieses Kind tatsächlich „gesund“ sein wird, enorm. „Es stellt sich schon sehr die Frage, zu wessen Nutzen sich da die Medizin zum Richter über lebenswertes Leben aufspielt“, meint Martina Kronthaler. „Außerdem kann niemand sagen, wo die Grenzen der Selektion sein werden, wenn diese Türe einmal offen ist.“
– Der Tipp: „Akte xy“ – unter diesem Titel findet am 23. und 24. Jänner im Bildungshaus St. Virgil/Salzburg eine Tagung zur PID und zur genetischen Frühdiagnostik statt. Ministerin Rauch-Kallat und Spitzenexperten aus Österreich und Deutschland kommen. Information: Aktion Leben: Tel. 01/512 52 21; www.aktionleben.at
Der Text
Parlamentarische Bürgerinitiative „Für Menschenwürde und gegen Experimente mit dem Leben“ der Aktion Leben Österreich: Wir fordern den Nationalrat dazu auf: – ein wirksames und generelles Verbot des Klonens von Embryonen zu beschließen, – die genetische Frühdiagnostik an künstlich (in vitro) erzeugten Embryonen (Präimplantations-diagnostik/PID) zum Zweck der Selektion nicht zuzulassen, – die Forschung mit adulten Stammzellen zu fördern, anstatt die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu erlauben.