Fortsetzung der Interviewserie mit Landeshauptmannstellvertreter Dipl. Ing. Erich Haider.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Haider:<7b> Für die sozialdemokratische Politik sind dies Gerechtigkeit, sichere Arbeitsplätze, die Ausbildung unserer Jugend und die Erhaltung des arbeitsfreien Sonntags. Ebenso der rasche Ausbau einer menschenwürdigen Pflegevorsorge für alle, da sich in Oberösterreich die Zahl der über 90-jährigen bis 2012 von 26.000 auf 52.000 Menschen verdoppeln wird, die Chancengleichheit für Frauen im Bildungsbereich und am Arbeitsplatz sowie die Absicherung des Gesundheitssystems. In meinen Ressorts sind es der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der ‚Rollenden Landstraße‘ sowie der Schutz der Natur. Das Betreubare Wohnen gibt es nur in OÖ, wir wollen ein flächendeckendes Angebot.
Bei welchen Aufgaben sehen Sie Berührungsflächen zur Kirche?
Haider: Bei allen, am deutlichsten jedoch beim Bildungskonto für Arbeitnehmer/innen und beim Fonds für Hilfe in besonderen Lebenslagen. Denn die SPÖ setzt sich am deutlichsten für Toleranz, für soziale Gerechtigkeit und auch für Chancengleichheit ein. Ich habe ganz deutlich gesagt, dass mein Vorbild im Sozialbereich Bischof Aichern ist und wir in vielen Fragen sehr verbunden sind, sowohl was den Hirtenbrief, die Sozialpolitik, das Engagement gegen das Arbeiten am Sonntag, den Einsatz für die Schwächeren betrifft. Man soll die Sozialdemokraten wieder an ihrem Verhalten im täglichen Leben erkennen. Wir müssen Werthaltungen wieder vorleben: Uneigennützigkeit, Solidarität, Gerechtigkeit. Hier gibt es sicher eine Verbindung zur Kirche.
Wo wünschen Sie sich ein kritisch-waches Engagement gerade auch von Christen?
Haider: Das grundsätzliche Problem unserer Zeit ist, dass die Menschlichkeit verloren geht und das Wort Solidarität zum Schlagwort verkommt. Die Gesellschaft wird immer egoistischer, das Mitgefühl nimmt ab, Werthaltungen gehen zurück, die Welt denkt sehr materialistisch. Auch hier sind die Christen ein wichtiger Gegenpol.