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Einfach nur da sein

Seelsorger/innen sind bei Katastrophen viel mehr als nur Randfiguren
Ausgabe: 2004/03, Florianjahr, Seelsorger, Katastophen, Feuerwehr
14.01.2004
- Matthäus Fellinger
Die Feuerwehr-Kuraten leisten Seelsorge, wo die Not von Menschen am größten ist.

Zu richtigen Festen und Feiern gehört jemand von der „Hohen Geistlichkeit“. So dachte man auch in Arnoldstein in Kärnten – und fragt die junge evangelische Pfarrerin Renate Moshammer, ob sie nicht Feuerwehr-Kuratin werden möchte. Sie sagte zu. Doch sie wollte die Sache ernst nehmen. Auch bei den Feuerwehrübungen wollte sie mitmachen und bei den Einsätzen. Wo die Not der Menschen ist, dort sollten die Seelsorger/innen sein.
Am Donnerstag, 8. Jänner, fand im Landesfeuerwehrkommando in Linz der erste Orientierungstag für Feuerwehrkuraten – österreichweit und ökumenisch – statt. Feuerwehrkuraten sind Seelsorger/innen, die sich in besonderer Weise um Feuerwehrleute und -vereine, aber auch um die Menschen im Umfeld von Feuerwehreinsätzen annehmen. Der Orientierungstag machte deutlich: In kaum einem anderen Feld sind Seelsorger/innen so sehr herausgefordert wie bei diesen Lebenssituationen, in denen es oft um Leben und Tod geht.
Wie erstarrt steht der 17-jährige Jungfeuerwehrmann da. Erst vor einer Woche hat er den Ausbildungskurs mit dem schweren Atemschutz absolviert. Jetzt sieht er, wie sein Kommandant die Leiche des Kindes aus dem Haus trägt, das in dieser Nacht niedergebrannt ist. Draußen die verzweifelte Mutter. Jemand muss den jungen Mann erst aus seiner Erstarrung herausrütteln. Damit hat er nicht gerechnet. Man ist doch ausgebildet zum Retten. Dass der Versuch zu helfen scheitern kann, das musste er bitter erleben.
Wie gut, wenn es jemandem gibt, mit dem man darüber reden kann, was man erlebt hat. So empfinden es Feuerwehrleute. Psycholog/innen und Notfallseelsorger/innen sind nach Einsätzen bald wieder weg. Der Feuerwehrkurat bleibt da. Er weiß um die Geschichte.
Rund 320.000 Feuerwehrleute setzen sich in Österreich in mehr als 4.870 Feuerwehren für ihre Mitmenschen ein. Die „harten Burschen“ und zunehmend mehr auch die „starken Frauen“ der Feuerwehr brauchen oft auch selbst Hilfe. Der eine verschwindet nach einem schrecklichen Unfall, bei dem er im Einsatz war, für einen Tag auf einem Berg, ein anderer versucht im Wirtshaus den Kopf wieder klar zu bekommen. Doch das Erlebte lässt sich nicht einfach beiseite wischen.Feuerwehrkuraten können an einer Einsatzstelle „Fühler“ sein, die wahrnehmen, was die Menschen, die an diesem Unglück beteiligt sind, gerade brauchen, meint die Psychologin Mag. Eva Münker-Kramer. Menschen stehen oft so hilflos da im Unglück. Der Seelsorger, der darauf schaut, dass ein Leichnam an der Unfallstelle würdig behandelt wird, dass Angehörige Abschied nehmen können, die auch darauf schauen, was in den nächsten Stunden geschieht, sind da ein großer Segen. Landesfeuerwehr-Kommandant Johann Huber hob gerade diesen Aspekt in der Aufgabe der Feuerwehrkuraten hervor: Jemand, der im Stress eines Einsatzes Zeit zum Sehen und zum Hören hat auf die Menschen. br>Was gemeint ist, schilderte Feuerwehrkommandant Rupert Unterwurzacher aus Kuchl. Als nach einem Brand ein Bub nur mehr tot geborgen werden konnte – alles vorbei war, redete der Pfarrer mit ihm. Als er Jahre später diesem Pfarrer sagte, wie gut ihm das in dieser Niedergeschlagenheit getan hätte, war der Pfarrer ganz erstaunt – und erzählte ihm, wie schlecht es ihm selbst dabei gegangen war. Es gibt Leid, das kann man nicht lösen. Man kann es gemeinsam tragen. „Es ist eine gute Sache, die ihr macht“, bestätigt die Psychologin den Sinn des Einsatzes der Kuraten.




„Entflammt“ im Florianjahr

Dank

Vom 1. Mai bis 24. September 2004 wird das Florianjahr zum 1.700. Todestag des hl. Florian in Oberösterreich begangen werden. Bei einer Pressekonferenz gaben Landeshauptmann Josef Pühringer, Bischof Maximilian Aichern, Propst Wilhelm Neuwirth von St. Florian und Landesfeuerwehr-Kommandant Hans Huber bekannt, was alles geplant ist. Für das Land steht die Ernennung Florians zum – neben Leopold – gleichberechtigten Landespatron am 4. Mai im Vordergrund, weil Florian – so Pühringer – der einzige historisch fassbare Heilige mit Oberösterreichbezug aus der frühen Zeit des Christentums ist. Das Beispiel seiner Zivilcourage wäre auch heute besonders zu beachten.
Zentren des Florianjahres werden Enns und St. Florian sein. Im Blick auf das Leben Florians meinte Bischof Aichern: Das Leben in den Spuren Jesu ist nicht immer bequem, es bereitet mitunter auch Mühe. Florian habe Anteil genommen am menschlichen Geschick, statt gleichgültig zu sein.
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