Timelkam: Seit Freitag wird in der Filialkirche St. Anna ein Anbetungsengel vermisst. Im Dezember sind zwei große Heiligenfiguren vom Seitenaltar der Pfarrkirche Meggenhofen verschwunden. Kunstraub in OÖ, Tendenz steigend.
In Österreich wird pro Tag durchschnittlich ein Kunstwerk gestohlen. Die Diebstähle in Kirchen häufen sich – und die Frechheit der Diebe nimmt zu: Die entwendeten Objekte werden immer größer. Um bis zu 30 Prozent stieg die Anzahl der Diebstähle im Jahresvergleich. 15 Fälle wurden bis Dezember in der Diözese Linz gemeldet, die Dunkelziffer dürfte nocheinmal so hoch sein. Der Schaden beläuft sich pro Jahr auf ca. E 100.000.
Seit Dezember verzeichnete die Kunsthistorikerin Mag. Eva Voglhuber vom Kunstreferat bereits fünf Diebstahlsmeldungen. Die Täter haben es meist auf kleinere Objekte abgesehen, die schnell und unauffällig entwendet werden können. Im Visier der organisierten Gruppen, die sehr gezielt vorgehen, wie Voglhuber vermutet, sind Figuren und Aufsatzgruppen, die ohne viel Aufwand gestohlen werden können: Engel, die vom Seitenaltar herunterblinzeln, Kreuzigungsgruppen und natürlich Krippenfiguren. Opfer von Kunsträubern wurde kürzlich auch die Pfarre Michaelnbach: Fünf Krippenfiguren sind hier verschwunden. „Im Prinzip kann es jeden treffen. Alles, was offen steht, nicht oder nur leicht montiert ist, ist gefährdet. Hinweisschilder mit ‚Achtung Alarmanlage‘ oder eine Kordel zur Absicherung können Täter abschrecken. Bei Umbauten gilt es aufzupassen“, rät Voglhuber.
Kunstgut im Visier
Kirchen vorsichtshalber zuzusperren, diesen Rat gibt die Kunsthistorikerin dennoch nicht. „Besser ist es, auf die Frequenz der Besucher/innen zu achten und danach die Öffnungszeiten zu richten. Am besten ist es, wenn in der Pfarre engagierte Personen mehrmals täglich den Kirchenraum besuchen“, meint Voglhuber. Fällt einem dabei etwas Ungewöhnliches auf, nicht selbst Polizei spielen, sondern sofort Verantwortliche in Pfarre und Gemeinde informieren.
Viele Pfarren sind sich der Gefahr, im Visier der Kunstdiebe zu sein, noch nicht bewusst und unterschätzen den Wert und die Bedeutung ihrer Kunstgegenstände, ist Voglhubers Erfahrung. Nicht immer geht es um den materiellen Wert. Eine Gips-Madonna aus dem 19. Jahrhundert, mit der sich eine Pfarre verbunden fühlt, hat auch ideellen Wert. „Sie stiftet Identität, prägt eine Gemeinde“, meint Kunstreferent MMMag. Hubert Nitsch. Auch das zählt.
Diebstahl sofort melden
Was tun, wenn ein Diebstahl bemerkt wird? Zuerst ist zu kontrollieren, ob das Objekt tatsächlich fehlt und nicht nur woanders lagert, dann sofort bei der nächsten Polizeidienststelle Anzeige erstatten. Die Fahndung beginnt. Anschließend ist das Kunstreferat zu informieren. Dort nimmt Eva Voglhuber die Meldung auf und erstellt ein Gutachten. Dieses wird benötigt für die Versicherung, die ebenfalls anzurufen ist. „Als einzige Diözese in Österreich haben wir ein vollständiges Inventarzeichnis aller Kunstgüter. Wenn etwas gestohlen wird, greifen wir auf die Fotos zurück und veröffentlichen den Kunstraub in den Medien“, beschreibt Voglhuber die Vorgangsweise. Das kann helfen, verschwundene Engel wieder ausfindig zu machen und den Verkauf des wertvollen Kulturguts zu erschweren.