Ausgabe: 2004/04, Wurzelbehandlung, Niemand, Juden, Christen, Tora, Israel
21.01.2004
- Heinz Niederleitner
DCF 1.0
Um die Tora als Wurzel des Bundes zwischen Gott und Israel und seine Bedeutung für das Christentum ging es am Tag des Judentums.
Kein Jota, versprach Jesus, würde er am Gesetz verändern. Gemeint hatte er die jüdische Tora. Zu Beginn seines Vortrages am Tag des Judentums an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz sensibilisierte Christoph Niemand sein Publikum für den Begriff „Gesetz“. Für das fromme Judentum bezeichnet die Tora weniger ein Gesetzgeber-Untertan-, als ein Lehrer-Schüler-Verhältnis: „Die Tora ist die Bundescharta zwischen Gott und Israel“, sagt Niemand. Dieie Einhaltung des Gesetzes, stiftet die Identität Israels als Gottes Volk.
In der Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Pharisäern steht die Tora im Mittelpunkt. Die Pharisäer glaubten, durch eine möglichst genaue Einhaltung der Toragebote die endzeitliche Erwartung des Messias herbeiführen zu können. Jesus geht den anderen Weg, für ihn bricht das Reich Gottes schon an – die Tora erfülle sich dadurch gleichsam von selbst. Die Tora ist eine Wurzel des Christentums.Aus der Perspektive des Judentums wird der enorme Anspruch Jesu, nämlich dass er der Messias ist, erkennbar und bleibt unklar, ob „Jesu Wechsel“ gedeckt ist. Die Christen leben bis zur Beantwortung dieser Frage „auf Kredit“. Beide Religionen, sagt Niemand, richten Anfragen aneinander. „Weil viele Christen diese Fragen nicht ausgehalten haben, wurden sie zu Hassern. Katastrophen und Schuld sind dadurch entstanden.“ Gerade aber weil es eine Streitfrage vor und um Gott ist, muss die Auseinandersetzung ohne Hass geführt werden.