BRIEF_KASTEN
Ackerl: Die beiden größten Herausforderungen – vor allem aus budgetärer Sicht – sind der weitere Angebotsausbau bei den Menschen mit Beeinträchtigungen und in der Altenpflege. Wobei hier weiterhin in die Qualität – kleine Strukturen, Selbstbestimmung, hohe Qualitätsstandards – und in die Quantität investiert werden muss. Sowohl die Anzahl der Menschen mit Beeinträchtigungen als auch der älteren, pflegebedürftigen Menschen steigt rasant an. 2009 sollte mit dem Oö. Chancengleichheitsgesetz für Menschen mit Beeinträchtigungen ein europaweit beispielgebendes Sozialgesetz – Stichwort Selbstbestimmung – in Kraft sein und der Strategiewechsel „mobile vor stationäre Angebote“ endgültig gelungen sein.
Bei welchen Aufgaben sehen Sie Berührungsflächen zur Kirche?
Ackerl: Natürlich vor allem bei allen sozialen Fragen. Die Kirche stellt mit der Caritas nicht nur einen der wichtigsten Trägervereine für unsere sozialen Angebote, sie ist auch eine der wichtigsten Verbündeten gegen die Demontage des Sozialstaates. So ist ein starker Sozialstaat ein Garant dafür, dass der gesellschaftliche Reichtum allen – und nicht nur den Reichen – zugute kommt. Ganz im Sinne des Sozialwortes: „Soziale Sicherheit macht Gesellschaften nicht arm“.
Ackerl: Vor allem bei der Bekämpfung des Neoliberalismus, der das Kürzen von sozialen Leistungen oftmals unter dem Deckmantel des Sparens zum obersten Credo erhoben hat. Diesen Auswüchsen gegenüber müssen gerade Christen besonders wachsam sein. Schließlich ist die Wirtschaft für die Menschen da und nicht umgekehrt. Der Mensch ist viel mehr als sein Nutzwert. Sicher fühlen können sich gerade benachteiligte oder einkommensschwache Personen nur in einem starken Staat, der sich ihrer Interessen, Hoffnungen, Träume und Lebensentwürfe annimmt.
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