Mit einem hörbaren Unterton bedauernden Mitleids meldete die Nachrichtensprecherin: Zum ersten Mal in seiner Amtszeit als Gouverneur von Kalifornien muss Arnold Schwarzenegger über Leben und Tod eines zum Tod Verurteilten entscheiden. Das Mitleid galt mehr dem Gouverneur als dem Verurteilten. Auch der ORF-Teletext formulierte es so. Schwarzenegger „muss“ zum ersten Mal entscheiden. „Arnies erste Hinrichtung“ titelte verniedlichend eine Tageszeitung.
Armer Arnie! Wer sagt, dass er muss? Er kann! Als einziger im ganzen Staate Kalifornien kann er tatsächlich über Leben und Tod eines Verurteilten entscheiden. Er hat die Macht. Er übte sie aus. Die Beweislage war für ihn ausreichend. Cavin Cooper, dem vier Morde angelastet werden, wird am 10. Februar durch eine Giftspritze sterben – wenn Arnold Schwarzenegger sich nicht doch noch anders entscheidet.
Das unausgesprochene Bedauern rührt wohl daher, dass Arnold Schwarzenegger als Österreicher als „einer von uns“ gehandelt wird. Den patzt man doch nicht an! Der soll doch aus seiner früheren Heimat nur Freude haben. Aber wichtiger als nationale Verwandtschaft ist die Gesinnungsverwandtschaft. Jene, die nach der Wahl im November 2003 medienwirksam ihre Bewunderung für Schwarzenegger kundgetan und Gratulationsschreiben nach Westen gesandt haben, hätten wieder Grund zum Schreiben: Herr Schwarzenegger, wir hätten etwas anderes von Ihnen erwartet!