Mit Dr. Silvia Stöger schließt die Kirchenzeitung die Interview-Serie mit den neun Mitgliedern der Landesregierung. Die ausgebildete Fachärztin für Gynäkologie Dr. Silvia Stöger ist Landesrätin für Gesundheit und Frauenfragen.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? Was soll 2009, am Ende der Legislaturperiode, am deutlichsten anders bzw. besser sein?
Stöger: Durch die höhere Lebenserwartung steigt der Bedarf an Betreuung und Pflege kranker und alter Menschen sehr stark an. Daher habe ich eine Spitalsoffensive mit einem Investitionsvolumen von 1,7 Mrd. Euro und eine verstärkte Ausbildung von Krankenpflegefachkräften initiiert. Im Jahr 2009 soll es in Oberösterreich modernst ausgestattete Spitäler mit ausreichendem und bestens qualifiziertem Personal geben.
Bei welchen Aufgaben sehen Sie Berührungsflächen zur Kirche?
Stöger: Vor allem im gemeinsamen Bestreben nach einer partnerschaftlichen Gesellschaft. Mit dem neuen Mentoring-Programm der Diözese Linz wurde ein wesentliches Zeichen gesetzt, dass auch die Kirchenpolitik derGleichberechtigung von Frauen und Männern großen aktuellen Stellenwert beimisst. Ein weiteres gemeinsames Anliegen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Caritas spielt mit ihren zahlreichen Kindergärten eine wichtige Rolle dabei, dass Frauen den Spagat zwischen Kind und Job schaffen. Wichtig ist dabei auch, dass die Ladenöffnungszeiten nicht weiter liberalisiert werden und insbesondere der arbeitsfreie Sonntag für Familien erhalten bleibt. Dabei zähle ich auf die Unterstützung der Kirche.
Wo wünschen Sie sich ein kritisch-waches Engagement gerade auch von Christen?
Stöger: Es ist eine moralisch-ethische Verpflichtung unserer Gesellschaft, dass jeder das Recht auf Gesundheit, beste medizinische Versorgung und Pflege hat. Das muss für alle leistbar bleiben und darf nicht durch neue Selbstbehalte oder die Zerschlagung unseres sozialen Krankenversicherungssystems eingeschränkt werden. Damit es zu keiner Zwei-Klassen-Medizin kommt, ist die solidarische Finanzierung durchArbeitnehmer und Arbeitgeber, durch Gesunde und Kranke unumgänglich.