Bild: Dr. Bernhard Vondrasek SDB hat ein Buch über Volontariate verfasst. Er lehrt und forscht an der KTU Linz.
Was bringt es mir, ein Jahr freiwillig nach Afrika oder Latein-amerika zu gehen und an Sozialprojekten mitzuarbeiten? Sehr viel in vielerlei Weise, sagt Caritaswissenschaftler Dr. Bernhard Vondrasek.
Was hat ein junger Mensch von einem Auslandsvolontariat?
Jeder Einsatz, besonders im Ausland, ist ein Abenteuer. Spaß und Freude sind ein wichtiger Teil davon: neue Kulturen, neue Lebensbereiche kennen lernen, mit Menschen zusammen arbeiten. Es erfüllt, wenn sich Menschen über Jugendliche freuen, die zu ihnen kommen, um sie zu unterstützen und gemeinsam ihre oft schwierige Lebenslage zu verbessern. Auf jeden Fall kann man bei einem Volontariat viel von seiner eigenen Persönlichkeit neu entdecken: Man entwickelt sich, wird selbstbewusster, der eigene Weg wird einem klarer. Man bekommt einen Blick auf die weite Welt und ihre Probleme. Eigene Probleme in Schule, Beziehung oder mit den Eltern werden kleiner. Jugendliche, die zurückkommen, sind unendlich dankbar, dass sie in Österreich leben können. Außerdem eignet man sich Fähigkeiten an, die einem nicht zuletzt für das Berufsleben bringen: Sprachkompetenz, Befähigung zur Organisation usw. Nicht zuletzt vertieft sich die Selbstreflexion: Die Volontär/innen lernen, eigene Stärken und Schwächen besser einzuschätzen.
Volontariate werden oft von kirchlichen Organisationen angeboten: Worin besteht die spirituelle Erfahrung?
In der Erkenntnis, dass Kirche auch anders sein kann als zu Hause. Liturgie wird anders erlebt: nicht mit dem Kopf, sondern mit Herz, Füßen und Händen. Die Volontäre treffen auf Priesterpersönlichkeiten, von denen ein großes Charisma ausgeht, und sie erfahren, was Gerechtigkeit heißt und wie Solidarität gelebt wird. Viele erzählen auch, dass sie zu einer Art neuer Gottesbeziehung gefunden haben: Sie erfahren, dass Gott auch die Armen und Schwachen liebt, und erkennen sich selbst als Werkzeuge dieser Gottesliebe. Göttliche Vorsehung, ein „großer Begriff“ der Theologie, wird erlebbar, wenn z. B. das notwendige Geld für ein Projekt, das man schon abgeschrieben hat, durch eine plötzliche Spende doch verwirklicht werden kann. Bei einem Volontariat geht es nicht um Spiritualität hinter Klostermauern, sondern um Alltagsspiritualität.
Hat ein Auslandsvolontariat auch konkrete Folgen nach der Rückkehr?
Die Volontär/innen kommen zurück und sind sich klarer darüber, was sie tun möchten. Viele wollen sich auch in Österreich engagieren, wenn es in ihrem Umfeld Projekte gibt. Wir sehen das z. B. im Don-Bosco-Flüchtlingswerk im Burgenland, wo wir mit ehrenamtlichen jugendlichen Helfern zusammenarbeiten: Die meisten sind ehemalige Volontär/innen.
Wie hoch ist die Abbrecherquote bei Auslandvolontariaten?
Überraschend gering! Manchmal ist es so, dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen: Die Volontär/innen haben auch Bedürfnisse nach Freizeit und Freiraum. Ein Stück weit werden sie ja doch bei ihren Aufgaben allein gelassen. Da ist dann die Gemeinschaft wichtig.
Was sollten Volontär/innen ins Volontariat mitbringen?
Vor allem Engagement und Einsatzfreude und ein Herz am rechten Fleck. Es darf auch nicht so sein, dass sie in Österreich vor etwas flüchten, wie Probleme mit Eltern oder in der Beziehung: Das geht dann oft daneben. Die Volontär/innen sollten kommunikativ und kontaktfreudig sein und die Landessprache bereits etwas können. Auch die Frustrationstoleranz sollte hoch sein: Wenn etwas nicht gelingt und scheitert, wenn man eine Niederlage erlebt, muss man das durchstehen können. Klar muss auch sein, dass die Volontär/innen nicht die ganze Welt ändern, sondern nur im eigenen Bereich wirken können.