Theaterspielen als Selbsthilfe ist eines der Anliegen der Gruppe „Schräge Vögel“. Sie hat 2003 den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung erhalten.
„Mit allen Wassern gewaschen, so stell ich mich dem Leben und habe keine Angst“, liest Ingrid Gruber im Stück „Dyll Uhlenspiegel“. Was die Gruppe „Schräge Vögel“ dabei auf der Bühne bringt, ist mehr als Theater. Die Schauspieler/innen sind Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Das Schauspiel ist „Therapie durch Kreativität“, gleichzeitig betreuen sich die Mitglieder der Gruppe gegenseitig selbst.
Integration einmal anders
In der Gruppe wird auch Integration gelebt. Diesmal allerdings „umgekehrt“: Zwei „gesunde“ Menschen arbeiten mit den „Beeinträchtigten“ zusammen. Sie sind von sich aus zur Gruppe gestoßen. „Wenn man etwas miteinander tut, merkt man, dass man gar nicht so verschieden ist“, sagt eine der beiden, Edith Hammerer. „Man sieht die Stärken des anderen und die eigenen Schwächen.“ Außerdem hätten alle ähnliche Bedürfnisse. „Wenn jemand vor der Aufführung sagt: ‚Ich möchte, dass mich jemand hält‘“, so Hammerer. „So etwas empfindet man oft selber. Es wären ganz andere Verhältnisse, wenn das ausgedrückt werden würde!“
Jede/r steht im Mittelpunkt
Entstanden ist die Theatergruppe 2001. Anlass war die 20-Jahr-Feier der Einrichtung Exit-Sozial. Die künstlerische Leitung hatte Gabriele Deutsch über, Ingrid Gruber führte Regieassistenz. Sie hat inzwischen die Leitung übernommen, Gabriele Deutsch berät die Gruppe weiter künstlerisch. Im Jahr 2003 erarbeiteten die „Schrägen Vögel“ das Stück„Dyll Uhlenspiegel“. Geschichten von Till Eulenspiegel wurden miteinander verwoben und durch eigene Elemente ergänzt. Jede/r in der Gruppe steht einmal im Mittelpunkt. Was in das Stück eingeflossen ist, wurde demokratisch bestimmt.
Astrid Brauner, „Betroffene“, hat die Arbeit als sehr anstrengend empfunden. „Die Stärkeren müssen die Schwächeren mitbetreuen“, erzählt sie. „Jeder steht heute und jetzt woanders und eine Zeit lang wollen wir etwas Gemeinsames machen, das ist eine große Herausforderung.“
Würde für sich selbst
Gabriele Deutsch ist beeindruckt davon, wie diese Menschen mit Humor mit der eigenen Krankheit umgehen und dabei so viel Würde für sich selbst haben.
Freiräume mit Grenzen
In den Stücken der „Schrägen Vögel“ ist sehr viel Platz für Improvisation. „Das Stück ist jedesmal anders, weil die Befindlichkeiten der Schauspieler anders sind“, erklärt Gabriele Deutsch: „Sie haben gelernt: Egal, wie’s jemandem geht, wir gehen respektvoll miteinander um.“ Sie hat mit den Mitwirkenden trainiert, wie sie mit Unvorhergesehenem umgehen können. Wenn etwa eine Schauspielerin die Bühne verlässt, weil es ihr sehr schlecht geht, dann verliert der Rest der Gruppe nicht den Faden. „Es gibt Freiräume, aber das in Grenzen“, so Deutsch. „Alles würde sonst auseinander brechen.“
Ingrid Gruber hat das Thema „Till Eulenspiegel“ ausgesucht, weil sie in den Geschichten über den „Narren“ Parallelen zu den Geschichten von psychisch beeinträchtigten Menschen gefunden hat. „Viele Ärzte sagen: ‚Du hast das und das‘, dabei ist es wichtig zu fragen: ‚Was fehlt mir?‘“, meint sie. Ihr ist Aufklärungsarbeit wichtig. Nach Aufführungen bittet sie das Publikum zur Diskussion, die Mitglieder der „Schrägen Vögel“ stehen Rede und Antwort. Selbstbewusst und offen.