Unermüdliche Weltverbesserer verweisen auf ein bewährtes Mittel: Briefschreiben. Dass diese Form gewaltfreier Einflussnahme immer wieder erfolgreich ist, zeigt der diesjährige Opernball. Beim dritten Anlauf ist es gelungen, den gesellschaftlichen Höhepunkt des österreichischen Faschings zu fair-ändern. Erstmals werden faire Rosen das Haus am Ring schmücken. Geschafft haben es Hunderte Briefschreiber/-innen, die die Opernballchefin damit mächtig unter Druck gesetzt haben. Doch das erstmalige Bekenntnis eines Großveranstalters zum Einsatz fairer Rosen ist so großzügig auch wieder nicht. Der Schritt war erst möglich, nachdem ein holländischer Sponsor gefunden war. Denn bei mehr als einer Million Euro Gewinn im Vorjahr wären 10.000 Euro für Blumen aus menschenwürdiger Produktion unfinanzierbar gewesen.
Walter Achleitner
Sozial verträglich
Nicht erst seit dem Sozialstaat-Volksbegehren fordert Bischof Maximilian Aichern die Einführung einer Sozialverträglichkeitsprüfung. Beinahe gebetsmühlenartig durchzieht dieses Anliegen seine sozialpolitischen Aussagen. Wie Recht er mit der Forderung hat, dass alle Gesetze auf ihre sozialpolitischen Auswirkungen zu prüfen und die Ergebnisse auch offen zu legen sind, zeigt das derzeitige Pensionstheater. Gäbe es eine Sozialverträglichkeitsprüfung, könnte jetzt niemand sagen, man habe die Auswirkungen auf die „kleinen Pensionen“ übersehen. Man hätte vor Inkrafttreten des Gesetzes klar Farbe bekennen müssen, wie der – an sich nicht unsoziale – Solidarbeitrag der Pensionisten ausschaut. Und man hätte sich damit eine weitere Verunsicherungs-Schlammschlacht erspart.