Dem Brief liegt das Geld für eine Holzkiste bei und für den Inhalt. So viele man für das Geld eben bekommen könne, sollten es sein. Der Brief stammt von keinem geringeren als von Adalbert Stifter. Der Adressat lebt in Wien – und nur dort gab es zu Stifters Zeiten jene Köstlichkeit, nach der sich der Feinschmecker in Linz so sehr sehnte: Frankfurter Würstel. Stifter weist seinen Freund genau an, wie er zu verfahren habe, und dass er vor allem die passende Witterung abwarten müsse. Ein Warmwettereinbruch könnte die kostbare Ware und damit dem Dichter den Appetit verderben.
Würstchen haben ihren Charakter des Besonderen verloren, sind an jedem Würstelstand zu haben, und – luftdicht verpackt – in jedem Supermarkt zu haben. Stifter bräuchte sich keine Mühe mehr machen. Es wäre wohl auch nicht mehr der Fall, dass ihm ein Paar Frankfurter besser mundeten als ein Kapaun, wie er versicherte.
Seit es Kühlregale gibt, bekommt man Würstchen im Sommer. Den Jahreszeiten hat der menschliche Erfindungsgeist wieder ein Schnippchen geschlagen. Nur merkwürdig, dass mit der Errungenschaft der Appetit gelitten hat. Seltenheit – dass etwas nicht zu jeder Zeit und vor allem gar nicht leicht zu bekommen ist – schafft auch Qualität. Auf den Fasching folgt die Fastenzeit. Lebenslust wird verspüren, wer sich einzuschränken weiß. Auch an der Fülle kann der Mensch verhungern. Leiblich kaum, aber was die Fähigkeit zur Freude betrifft.