Wenigstens einige hätten verurteilt werden müssen. So ein Angehöriger nach den Freisprüchen im Kaprun-Prozess letzte Woche. „Für ein solches Unglück muss doch jemand verantwortlich sein“, meinte er. Vielleicht ist der zweite Teil des Wortes „Verantwortung“ jener, um den es geht. Die Antwort – und woher man sie zu bekommen hofft.
Das Recht kennt zwei mögliche Antworten: Freispruch oder Verurteilung. Aber das Recht allein kann die Sache nicht mehr recht, vor allem nicht gut machen. Finanzielle Abgeltungen oder Strafen schaffen nicht Ersatz für Menschenleben. So wird es nicht hinreichen, einige Verantwortliche ausfindig zu machen.
Gerade am Beginn der Fastenzeit besinnen sich Menschen darauf, wie vergänglich ihr Leben ist – und wie ihr Leben und ihr Sterben in der Hand des Schöpfers liegt. Wo Menschen Recht sprechen, werden sie das nur im beschränkten Rahmen zustande bringen – und es wird bei aller Mühe um Gerechtigkeit eine Spur Unrecht bleiben – etwas, was nicht mehr gut gemacht werden kann.
Ver-antwortliche sollte man nicht nur auf der Anklagebank vermuten – sondern hoffentlich auch dort, wo Menschen unter einem Unglück klagen. Welche Antwort findet jemand, der trösten könnte – oder schaut er bloß weg? Welche Antwort finden Menschen für einen behutsamen Umgang miteinander – sodass Trauernde Geborgenheit erleben können? Von der Justiz vielleicht – aber von den Menschen sollten sich Leidende auf keinen Fall allein gelassen wissen.