Theologie schön und gut, aber in der Wirtschaft gelten andere Gesetze. Wer bestehen will, muss sich an die Fakten halten, und die sind hart. Die Zeiten, da man diesen Satz zu hören bekam, scheinen vorbei. Österreichische Industrielle wollen sich an einer neuen Leitidee orientieren: Dass der schöne englische Name „Corporate Social Responsibility“ (gemeinschaftliche soziale Verantwortung) für diese Linie steht, soll man niemandem zum Vorwurf machen, schließlich wurde auch in der Kirche lange Latein gesprochen. Im Ernst. Freiwilliges Engagement eines Unternehmens für die Gemeinschaft wird hier als Orientierungsmaßstab gesehen – und das ist gut so.
Die Wirtschaft wird mit dem neuen Leitbild durchaus ähnliche Erfahrungen machen wie sie auch die Kirche mit ihren Idealen macht: Die Wirklichkeit hinkt den Idealen oft kläglich nach. Nicht nur die Heiligen, auch die Sünder schreiben ihre Geschichte. Zu wünschen ist, dass sich in der Wirtschaft jene behaupten können, die sich am Gemeinwohl orientieren. Die neuen „Propheten“ der Wirtschaft versprechen: Wenn ihr nach diesen Linien handelt, werdet ihr erfolgreicher sein.
Das ist ein kleiner, nicht unbedeutender Unterschied zur biblischen Prophetie: Der Erfolg wird in der Nachfolge Jesu jedenfalls nicht unbedingt in Aussicht gestellt. Auch ein gescheiterter Weg kann der richtige Weg gewesen sein, wenn damit zwar nicht die Firma, aber der Mensch heil geblieben ist. Und noch etwas: Den Slogan, der Geiz nicht für geil, sondern für dumm erklärt, habe ich noch nicht gehört.