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Jahrelanger Karfreitag

Brasilien: P. José Hehenberger kümmert sich um die Landlosen
Ausgabe: 2004/14, Karfreitag, Brasilien, Hehenberger, Bucher, KMB, Sei so frei,
31.03.2004
- Josef Wallner
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Zum Bild: Das Dorf Sao Francisco. Seit fünf Jahren halten Familien brach liegende Flächen eines Großgrundbesitzers besetzt. Nach dem Gesetz haben sie Anrecht auf das Land, doch die Mühlen des Gesetzes mahlen langsam. Landbesetzungen sind immer ein Akt der Verzweifung, um aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen. Thomas Bauer (links) aus Österreich ist ein Mitarbeiter der Landlosenpastoral in der brasilianischen Stadt Jacobina.




Palmsonntag und Karwoche weltweit

Palmsonntag und Karwoche verbinden Christen weltweit. „Kreuzwege“, die Menschen zu gehen haben, verbinden zu einer Leidensgemeinschaft, doch auch zu einer Gemeinschaft der Hoffnung. Das Bild zeigt P. José Hehenberger, den oberösterreichischen Priester in Brasilien, mit einer Frau, die seit fünf Jahren in ihrem „Landlosendorf“ um ihre Bleibe bangen muss – und trotzdem Freude ausstrahlt.




Brasilien ist nicht arm, aber skandalös: diese Erfahrung ist Teil des Lebens von P. José Hehenberger. Deutlich wird das an den Landlosen.

Auf dem Papier ist alles bestens: Wird ein Grundstück fünf Jahre lang nicht bearbeitet, sieht das Gesetz vor, die Flächen unter landlosen Familien zu verteilen. Ein vorbildliches Sozialgesetz, doch leider nur auf dem Papier. Die Praxis sieht anders aus: Zumeist tun die Großgrundbesitzer alles, um die Durchführung zu behindern. So greifen die Landlosen zur Selbsthilfe. Sie kampieren in der Nähe der brach liegenden Flächen, die sie bebauen wollen. Zumeist errichten sie ihre Hütten auf dem schmalen Streifen Niemandsland zwischen Straße und Begrenzungszaun des Großgrundbesitzes.

Zahnlose Gesetze

Und dann heißt es vor Gericht gehen, warten und um das Leben bangen. So wie die siebzehn Familien des Landlosendorfes Sao Francisco. Seit fünf Jahren schon leben sie in ihrem Behelfsdorf. 84 Familien waren es zu Beginn, die meisten haben dem Druck nicht standgehalten. Dass die Verbliebenen die Hoffnung nicht aufgegeben haben, dazu trägt P. José Hehenberger bei.
Um überleben zu können bauen die Landlosen auf dem Brachegrundstück bereits ihre Früchte an, doch schneller als die Ernte sind die Buldozer des Großgrundbesitzers. So leben die Familien von der Hand in den Mund und ohne Unterstützung der kirchlichen Landpastoral könnten sie nicht überleben. Dazu kommt die Angst. „Bei jedem Auto, das sich unserm Dorf nähert, haben wir ein ungutes Gefühl“, erzählt Rocbak, der Sprecher des Dorfes. Oft kommen bezahlte Pistoleros, die – wie in einem schlechten Western – wild um sich schießen.

Leben als Ausgestoßene

P. Markus Bucher, geistlicher Assistent der KMB, und Dr. Franz Hehenberger von der Aktion Sei So frei haben mit P. José Hehenberger kürzlich das Dorf Sao Franzisco besucht. Der Besuch aus Europa wurde nicht als Neugierde empfunden. Ganz im Gegenteil: „Aus der Umgebung besucht uns niemand. Wir leben als Ausgestoßene. Da ist es schön, wenn jemand kommt“, so der Dorfsprecher Rocbak. Je härter die Repressalien des Großgrundbesitzers werden, desto näher ist oft der Gerichtsentscheid im Sinn der Landbesetzer. Das ist die ganz große Hoffnung der Bewohner von Sao Franzisco. „Bis dahin tragen sie gemeinsam ihr Kreuz ein Stück weiter – bis zur nächsten Station“, so Franz Hehenberger. Er ist von der Kraft der Landlosen beindruckt Fünf Jahre haben sie schon Karfreitag und sind dennoch voll Zuversicht, dass es ein gutes Ende nimmt“.




Brot und Solidarität

Zur Sache

„So pathetisch das klingen mag: die Landlosen lechzen oft mehr nach seelischer Stärkung als nach einem Stück Brot“, meint Franz Hehenberger von der Aktion Sei So Frei. Das hat er erst kürzlich wieder bei einem Besuch in dem Landlosendorf Sao Francisco erfahren. Die Dritte Welt Aktion der katholischen Männerbewegung unterstützt die Landlosenpastoral der Kirche in Brasilien.
Der aus Oberösterreich stammende P. José Hehenberger setzt sich seit Jahrezehnten für die Landlosen ein. Vor allem wenn der Karfreitag am dunkelsten ist, ist er bei ihnen: wenn Landlose Opfer der Gewalt werden, sie nicht mehr zu essen haben oder einen Rechtsbeistand brauchen. Das Zentrum der Landlosenpastoral der Region Jacobina bringt in die Dörfer zur Überbrückung immer wieder Lebensmittel. P. José Hehenberger ist Pfarrer in der Stadt Jacobina.
Wird den Landlosen Grund und Boden zugesprochen, wie das im nahen Dorf Barreiras der Fall ist, brauchen sie weiter die Hilfe der Landpastoral. Diese berät sie bei der Aufteilung der Grundstücke und beim Start einer zukunftsträchtigen Bewirtschaftung.

Dieser Ausgabe der KIZ liegt ein Erlagschein bei. Die Spenden kommen der Landlosenpastoral von P. José Hehenberger zu Gute.
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