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Am kommenden Sonntag, 19. Juli, eröffnet Landeshauptmann Thomas Stelzer den „DenkWeg Eiserner Vorhang“ in Vorderweißenbach. Damit bekommt die bereits bestehende „DenkStätte“, die an die Zeit erinnert, als der Eiserne Vorhang Europa gerade auch an Oberösterreichs Nordgrenze in zwei Teile trennte, eine wesentliche Ergänzung.
Der fünf Kilometer lange „DenkWeg“ in Grenznähe erläutert in zehn Stationen verschiedene Aspekte vor allem der Zeitgeschichte. Auf einer Schautafel wird auf die lange und wechselvolle Nachbarschaft von Südböhmen und Oberösterreich hingewiesen. Zu dieser „Vorgeschichte“ gehört das Zusammenleben in der Habsburgermonarchie, aber auch die Zerstörung der ersten tschechoslowakischen Republik durch das NS-Regime sowie die Vertreibung der Sudetendeutschen ab 1945. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt jedoch auf der Zeit von der Errichtung des Eisernen Vorhangs nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei 1948 bis zur Samtenen Revolution 1989.
Von den Todesopfern der Grenze und den moralischen Nöten der Grenzsoldaten bis zum „Leben am Ende der Welt“ an der toten Grenze reichen die Inhalte. Die letzten Stationen widmen sich der Zeit danach (man denke an die friedliche Trennung Tschechiens und der Slowakei Ende 1992) und eröffnen einen Blick in die Zukunft für das geeinte Europa.
Die zehn Schautafeln sind dreisprachig (deutsch, tschechisch, englisch), dazu gibt es eine App für Mobiltelefone, wobei das vorherige Herunterladen der Inhalte anzuraten ist, da im Grenzgebiet nicht überall Handy-Empfang besteht.
Der „DenkWeg“ wendet sich an Geschichtsinteressierte jeden Alters. Zweifellos ist er auch ein Angebot für schulische Exkursionen. Zwar liegt der Weg nur auf österreichischem Staatsgebiet, er ist jedoch ein Projekt, das der Verein „DenkStein“ mit Partnern auch in Tschechien verwirklicht hat.
Bernhard Winkler, Obmann des Vereins „DenkStein“ kennt die Gegend, in welcher der Weg nun verläuft, schon seit Jugendtagen. Damals habe man annehmen müssen, die Barriere des Eisernen Vorhangs sei „für immer“ errichtet worden. „Dass sich das geändert hat, hätte sich noch vor 40 Jahren so niemand vorstellen können“, ist er überzeugt. Er spricht daher von „Zeitgeschichte, die Hoffnung macht“. Geschichte sei nicht nur Vergangenheit, sondern auch ein Auftrag; es brauche ein ständiges Engagement für Demokratie und Denkanstöße für das Europa der Zukunft, wie er bei der Presse-Präsentation des Weges sagte.
Eine „wertvolle grenzüberschreitende Zusammenarbeit“ nennt Tomas Trantina den „DenkWeg“. Er ist Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation „Post Bellum“ in Südböhmen. „Post Bellum“ beschäftigt sich unter anderem mit dem Sammeln von Zeitzeugenberichten und dem Vermitteln von geschichtlichem Wissen in Tschechien und den Nachbarländern. Mit Freude, sagt Trantina, sei man Partner beim „DenkWeg“ geworden. Das Engagement diene dazu, „weiße Flecken“ im historischen Denken zu füllen. Aufgrund der langen Jahre der Trennung in der Zeit des Eisernen Vorhangs wurden Teile der gemeinsamen Geschichte, insbesondere der Jahre 1938 bis 1989, auf beiden Seiten unterschiedlich wahrgenommen. Bis heute würden Vorurteile existieren, die für politische Ziele missbraucht wurden und so zu Spannungen führten. Umso größer sei die Bedeutung der Arbeit am Dialog. Der „DenkWeg“ erinnere daran, dass Freiheit und gute Nachbareschaft keine Selbstverständlichkeiten sind.
Für Pavel Gabriš, Bürgermeister von Přední Výtoň am Lipno-Stausee, ist die Erinnerung an die Zeit des Eisernen Vorhangs nicht nur eine historische, sondern auch eine persönliche Angelegenheit: Während der kommunistischen Zeit verließ er seine Heimat in Richtung Deutschland und kehrte erst viele Jahre später, nach der Wende, nach Tschechien zurück. Den Denkweg bezeichnete er als wichtige Initiative.
Die Europaregion (Euregio) Bayerischer Wald – Böhmerwald, welche grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Tschechien, Bayern und Oberösterreich koordiniert und unterstützt, gehört zu den Projektpartnern beim „DenkWeg“. Obfrau Gabriele Lackner-Strauss betonte die Bedeutung der Grenzregionen in Europa, da diese die Nahtstellen seien, ohne welche die EU nicht funktioniere. Der „DenkWeg“ sei auch ein Weg des Friedens, den man seitens Euregio gerne unterstützt habe.
Alexander Pilsl vom Tourismusverband Mühlviertel betonte, dass nicht nur in der Region selbst das Interesse an der Geschichte der Grenze groß sei, sondern auch bei den Gästen, die zur Erholung kommen. Insofern sei mit dem „DenkWeg“ auch ein „touristisches Juwel“ entstanden.
Eröffnung beim „DenkStein“ in Guglwald (Gemeinde Vorderweißenbach) um 11 Uhr. Geführte Wanderungen um 14, 15 (tschechisch) und 16 Uhr. Die Ortsbauernschaft Vorderweißenbach bietet regionale Schmankerl und Getränke an.
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