Hauptschule Puchenau: „Love Talks“ als Modell der Sexualpädagogik
Ausgabe: 2004/16, Puchenau, Sexualpädagogik, Love Talks, Hafner-Hanner
14.04.2004
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Es fällt Erwachsenen nicht leicht und schon gar nicht pubertierenden Kids: über Sexualität zu reden. Die Initiative „Love Talks“ hilft Kindern und Jugendlichen dabei.
„Cool“, „Super“ – die siebzehn Schüler und Schülerinnen der 2a- Klasse der Hauptschule Puchenau sind begeistert. Einen Tag lang haben sie sich mit dem Thema „Sexualität“ beschäftigt: haben gefragt, gezeichnet, diskutiert und meditiert. Warum sie an dem Projekttag mit Religionslehrerin Hildegard Pramper mit Feuereifer mitgemacht haben, lag zum Großteil an der Vorbereitung. Es kamen nicht irgendwelche Themen zur Sprache, sondern die Fragen der Kinder. Exakt in dem Wortlaut, wie sie sie bei einem Vorbereitungstreffen gestellt haben. Der Projekttag wurde nach dem Modell „Love Talks“ des österreichischen Instituts für Familienforschung geplant. Angelpunkt ist dabei das Miteinander von Eltern, Kindern und Lehrern. Den ersten Schritt setzen Eltern und Schule mit einer ausdrücklichen Entscheidung, einen solchen Tag durchzuführen. Unter Anleitung eines Moderators kommen die Eltern und ein betreuender Lehrer fünfmal zum Gespräch und zur Planung zusammen. In Puchenau nahmen aus der 2a-Klasse zwei Mütter an der Vorbereitung teil, aus der Parallelklasse fünf, sodass eine intensive Gruppenarbeit möglich wurde. Das Konzept sieht vor, dass auch die Eltern zu den „Love Talks“ in der Schule kommen. „In der Gruppe ist es einfacher über Sexualität zu reden als in der Familie“, stimmt die Klasse überein: Viel haben sie erfahren und die Antworten auf ihre Fragen waren o.k.“. Gefragt wurde alles: Was schwul bedeutet, was unter Bisexualität zu verstehen sei und was eine Prostituierte macht. Doch alle „Wissensfragen“ konnten nicht mit dem konkurrieren, was die Schüler zutiefst bewegte: Was ist Liebe wirklich? Wie soll ich meinem Freund, meine Freundin fragen, ob sie, ob er mich mag?
„Ich bekomme an solchen Tagen sehr viel Vertrauen geschenkt“, sagt die Religionslehrerin Hildegard Pramper, die bereits das vierte Jahr die „Love Talks“ an der Schule leitet: „Ich spüre die Verantwortung, die Kinder in diesen wichtigen Lebensfragen zu begleiten. Ich mache das auch mit meiner Erfahrung als Frau und Mutter.“ Warum die Schüler von den „Love Talks“ beeindruckt sind, liegt für Pramper auf der Hand: „Sie spüren, dass es um sie selbst geht, und das tut ihnen gut. Der positive Umgang mit dem Körper, lässt die Kinder erfahren: Ich bin wertvoll.“ Alle Eltern werden schriftlich über das Programm des Tages informiert und geben ihre Zustimmung zur Teilnahme ihrer Kinder. Diesen partnerschaftlichen Umgang hält Pramper für wichtig. Bisher haben noch alle Kinder zu den „Love Talks“ dürfen.
In Oberösterreich sind die „Love Talks“ bei der Abteilung Ehe und Familie im Pastoralamt der Diözese Linz angesiedelt. Informationen: Mag. Clemens Hafner-Hanner, Tel. 0732/76 10-34 35, E-Mail: lovetalks.ooe@aon.at.