44 Prozent aller österreichischen Pflichtschullehrer/-innen werden von kirchlichen Akademien ausgebildet. Deshalb will die Kirche auch bei der geplanten Errichtung von Pädagogischen Hochschulen ein gewichtiges Wort mitreden.
Derzeit sind für die Aus- und Fortbildung der Pflichtschullehrer/-innen österreichweit 50 pädagogische Akademien und Institute verantwortlich. Ab 2007 sollen an ihre Stelle neun bis elf Pädagogische Hochschulen treten. Das kündigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer am Ende der letzten Regierungsklausur an. Beschlossen wurde diese Entwicklung bereits im Akademiestudiengesetz von 1999. Dort ist festgelegt, dass die Pflichtschullehrerausbildung innerhalb von acht Jahren an Hochschulen erfolgen soll. Der Hintergrund: Österreich ist eines der letzten EU-Länder, in denen es noch keine akademische Lehrerausbildung für den Pflichtschulbereich gibt. Während die Sozialdemokraten eher für eine Ausbildung an den Universitäten eintraten, legte sich die Regierung auf die Errichtung spezieller Hochschulen fest. Direktor Hubert Brehm vom Studienzentrum der Diözese Innsbruck in Stams begrüßt diese Entscheidung. „Sie bietet eine gute Voraussetzung dafür, dass wir eine der großen Vorzüge der bisherigen Ausbildung, den starken Praxisbezug, beibehalten und weiterentwickeln können.“
Halbierte Hochschule
Auf Verärgerung – auch unter kirchlichen Akademien – stößt hingegen die Ankündigung von Ministerin Gehrer, dass die neuen Pädagogischen Hochschulen nur – so wie bisher – eine dreijährige Berufsausbildung, die mit dem Bakkalaureat endet, anbieten dürfen. „Bisher“, so Hans Schachl von der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz, „sind wir davon ausgegangen, dass die Pädagogischen Hochschulen auch ein Aufstocken auf das Magisterium (od. Master) anbieten können. Was jetzt geplant ist, wäre eine krasse Benachteiligung unserer Studie-renden gegenüber den Fachhochschulen. Außerdem widerspräche das der Bologna-Deklaration der EU.“ Diese legt fest, dass als Hochschulen nur jene Ausbildungsstätten gelten, die mindestens bis zum Master ausbilden. Hinter dem Rückzieher der Regierung steht vielleicht die Angst, dass bei einer größeren Zahl an Vollakademikern höhere Lehrergehälter gefordert werden könnten oder dass das SPÖ-Modell einer Gesamtschule für alle Zehn-bis Vierzehnjährigen durch die Hintertür kommen könnte.
Kirche ist gefordert
Zufrieden hingegen ist man nicht nur in Linz und Innsbruck mit der Ansage Gehrers, dass die zukünftigen Standorte „gemeinsam mit der Kirche festzulegen sind“. Die Kirche hatte schon zu Beginn der neuen Überlegungen deutlich gemacht, dass sie weiterhin in der Lehrerausbildung mitwirken will, denn schließlich stellt sie derzeit über 40 Prozent der Einrichtungen und Absolventen. Und für die Kirche war auch klar, dass sie sich mit ihrer gewachsenen Kompetenz nicht auf die Aus- und Fortbildung von Religionslehrern zurückziehen will. Auch wenn es aus Bedarfs- und Finanzgründen zu einer Konzentration der Hochschulstandorte kommen wird, will sich die Kirche in die Lehrerausbildung stark einbringen. „Es ist für die Kirche eine große Herausforderung, dass wir hier gesellschaftliche Präsenz zeigen“, betont Christine Mann vom Interdiözesanen Amt für Unterricht und Erziehung. Wie die Lösungen aussehen werden, darüber wird wohl weit ins nächste Jahr hinein sehr intensiv verhandelt werden müssen.
Zur Sache
Die katholische Kirche in Österreich betreibt fünf allgemeine Pädagogische Akademien in Wien, Krems, Linz, Stams, und Graz; sechs Religionspädagogische Akademien zur Ausbildung von Religionslehrer/-innen (Wien, Linz, Salzburg, Stams, Graz und Klagenfurt) und neun Religionspädagogische Institute zur Fortbildung aller Religionslehrer in den Diözesen.
Wohin steuert die Kirche?
Im Blick
Neun bis elf Pädagogische Hochschulen soll es ab 2007 in Österreich geben. Für die Kirche, die seit Jahrzehnten in der Lehrerausbildung eine bedeutsame Rolle spielt, stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Derzeit zeichnet sich ab, dass das Pädagogische Zentrum der Erzdiözese Wien in Strebersdorf in eine Pädagogische Hochschule in kirchlicher Trägerschaft umgewandelt werden soll. In den Bundesländern dürfte es eher zu Kooperationen kommen. Angesichts des sinkenden Lehrerbedarfs (weniger Schüler/-innen) und der begrenzten Mittel von Kirche und Staat sei man in Tirol bemüht, eine gemeinsame Lösung für die neue Pädagogische Hochschule zu finden, meint der Schulamtsleiter der Diözese Innsbruck, Oswald Stanger. „Wir wollen uns weiter in der Aus- und Fortbildung der Lehrer/-innen engagieren und streben dabei eine Zusammenarbeit mit Bund und Land an. Mit Stams haben wir einen hochqualifizierten Standort, der sicherlich ein wertvolles Standbein einer neuen Hochschule sein könnte“, meint Stanger. Derzeit gibt es in Tirol die Pädagogische Akademie des Bundes, die Berufspädagogische Akademie, das Pädagogische Institut des Landes, das Religionspädagogische Institut sowie die Pädagogische Akademie, die Religionspädagogische Akademie und das Institut für Sozialpädagogik (Erzieher/-innen-Ausbildung) in Stams. Für RPI-Chef Meinrad Fischer ist es wichtig, dass die Kirche in die neue Hochschule nicht nur ihre eigenen Studienbereiche und besonderen Schwerpunkte einbringt, sondern auch ihre hohe Kompetenz in einer umfassenden ethisch-religiösen Persönlichkeitsbildung.