Ich oute mich jetzt: Ich bin ein Bibliophiler. Schon von Kindheit an konnte ich diese Neigung spüren. Sobald ich Bücher sehe, wird alles andere zweitrangig. Besonders stehe ich auf große Bildbände von Meistern wie Picasso, Chagall und Werken der Renaissance.
Von besonderer Bedeutung sind dabei die Bibelausgaben von berühmten Künstlern. Viele haben der Versuchung oder der Herausforderung nicht widerstehen können, die Heilige Schrift mit ihren Illustrationen zu versehen. Andere kamen unvermittelt dazu, als nach ihrem Tode religiöse Werke für Bibelausgaben zusammengestelltwurden.
Sogar meine erste Begegnung mit der Heiligen Schrift waren die Kupferstichillustrationen in der Hausbibel meiner Eltern. Aber es gibt auch andere Bibelausgaben, die auf mich Eindruck machen, wie zum Beispiel die eines Kollegen: Ein einfaches Taschenbuch mit der Einheitsübersetzung. Die Kanten der Bibel sind arg in Mitleidenschaft gezogen, der Buchrücken geht aus dem Leim, Zettel und Klammern stecken zwischen den sehr vergilbten Seiten und der einzige Schmuck ist das Christusmonogramm am Deckblatt. Was mir an dieser Bibelausgabe gefällt? Sie wurde “zerlesen”.