Mit Kurt Krenns Rückzug als Bischof der Diözese St. Pölten geht eine der schwierigsten Zeiten der Katholischen Kirche in Österreich zu Ende. Wie erlebten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen der Diözese Linz diese Zeit, was bleibt? Die KIZ startete eine Rundfrage:
�Ich arbeite in der Raiffeisenbank und bin täglich mit vielen Menschen in Kontakt, die wissen, dass ich in der Pfarre engagiert bin. In der Arbeit werden mir daher auch Anliegen zugetragen, die die Pfarre betreffen. Die Affären um Bischof Krenn waren und sind dabei aber kein Thema. Bei früheren Konflikten wie dem Fall Groer war das anders: Der hat die Gemüter erregt. Ich kann mir nicht erklären, warum. Vielleicht haben sich manche, die sich früher aufgeregt haben, schon so weit von der Kirche distanziert, dass sie sich nicht mehr damit beschäftigen. Und jene, die der Kirche nahe stehen, dulden still. Ich könnte nicht sagen, dass die Arbeit in der Pfarre allgemein schwieriger geworden ist, die Mitarbeit schwankt aber sehr.�
Albert Kern, Obmann des Pfarrgemeinsrats in Baumgartenberg
�Ich träume von einer geschwisterlichen Kirche. Und den Weg dorthin will ich durch meinen Einsatz in Pfarrgemeinderat, Frauenbewegung und Jugendchor mitgestalten. Mein ehrenamtliches Engagement habe ich in den letzten Jahren nicht immer als Ehre erlebt. Ich musste und muss mich verteidigen, vor allem dann, wenn in den Medien negativ über die Kirche berichtet wird. Umso erleichteter habe ich den Rücktritt von Bischof Krenn zur Kenntnis genommen und wünsche allen Christinnen und Christen unserer Nachbardiözese den Geist der Versöhnung und des Aufbruchs. Welche Lehre die Kirche daraus ziehen soll? � Die Aufwertung der Ortskirche; dass Romtreue nicht das einzige Kriterium für die Eignung zum Bischof ist. Und ich träume von einer Bischöfin.�
Elisabeth König, Pfarre Linz-Christkönig
�Sicherlich haben wir in der Kirchenbeitragsstelle etwas von den Vorgängen in St. Pölten gemerkt. In den Gesprächen mit den Menschen kam weniger die Person von Bischof Krenn zur Sprache, sondern zuerst der Skandal um Kinderpornografie im St. Pöltner Priesterseminar und dann die lange Dauer der Visitation. Im September wurde es dann stärker und in den letzten 14 Tagen waren die Reaktionen diesbezüglich am deutlichsten, besonders nach der Offen gesagt-Diskussion mit Volksanwalt Stadler. In den Gesprächen haben wir auf die gute kirchliche Situation in der Diözese Linz und im Bezirk Schärding hingewiesen. Mit Erfolg: Wir haben derzeit nur einen Kirchenaustritt mehr als im Vergleichszeitraum 2003.�
Josef Kohlbauer, Leiter der Kirchenbeitragsstelle Schärding
�Ich wurde natürlich von manchen Leuten auf die Situation in St. Pölten angesprochen. Allerdings in der Richtung, dass wir es als Kirche derzeit nicht leicht haben und die Affäre nicht die ganze Kirche ist. Um die Person von Bischof Krenn ging es auch, aber wenig differenziert. Manche brachten zum Ausdruck, dass es in der Kirche im Umgang mit Sexualität oder Zölibat im Argen liegt und die Vorgänge Konsequenzen einer ungelösten Sexualität wären. Ich glaube, dass sich die Aufgeregtheit jetzt wieder beruhigen wird. Für die Kirche ist aber sicher ein Schaden entstanden. Als Pfarrer kann ich dem entgegenwirken, indem ich vor Ort Kirche positiv erlebbar mache. Letztlich gibt es für unser Leben wichtigere Themen als die Affäre in St. Pölten.�
GR Mag. Johann Hammerl, Pfarrer von Bad Ischl
HINTERGRUND
Die Versuchung der Macht
Am Ende der Ära von Bischof Kurt Krenn bleibt die Frage, warum er auch nach dreizehn Jahren als Diözesanbischof nie wirklich das Vertrauen der Gläubigen gewinnen konnte. Es lag vermutlich nicht an den pointierten Positionen des Bischofs. Es war vielmehr die Hintergrundmusik, die stets mitzuhören war. Was immer er zum Thema machte, der Refrain war stets der gleiche: �Die Macht habe ich, der Bischof.�
Wie eine Klammer umschließt die Machtfrage seine Amtszeit: Als nach der Amtseinführung in St. Pölten tausende gegen ihn als Bischof demonstrierten, quittierte er das mit dem lapidaren Satz: �Meine Macht wächst von Tag zu Tag.� Und in seinem letzten Interview, das er vor dem Schweigegebot durch den Vatikan gab, ging es wieder um die Macht. Kein Wort der Ermutigung für die Gläubigen, sondern eine kirchenrechtlich fein säuberlich verpackte Ohrfeige für die Mitbischöfe war ihm wichtiger: �Die Bischofskonferenz ist wesentlich weniger mächtig als jeder einzelne Bischof.� Und selbst nach seinem Rücktritt spielt er noch mit der Macht: �Wenn ich will, kann ich jeden Tag einen Generalvikar absetzen und mir einen neuen holen.� Ob progressiv oder konservativ, ob lateinisch oder deutsch, ob dick oder dünn � die St. Pöltner Katholiken haben vieles akzeptiert. Aber das unbestimmte Gefühl, dass es einem Bischof ebenso sehr um die Macht als um das Reich Gottes geht � das ließ den Großteil der Gläubigen nie wirklich zur Ruhe kommen und kein Vertrauen zu ihrem Bischof fassen. jw
Redaktion dieser Seite: Heinz Niederleitner, Josef Wallner