Schwangeren Frauen in schwierigen Situationen mit Rat und Tat zu helfen, dass sie zu ihrem Kind Ja sagen können – das ist das Kerngeschäft der „Aktion Leben“.
Wie viele werdende Mütter Dank der Beratung und Hilfe der „Aktion Leben“ ihr Kind annehmen konnten und nicht zur Abtreibung gegangen sind, könne man schwer sagen, meint Grit Ebner. „Aber allein von unserer Wiener Beratungsstelle wissen wir von Rückmeldungen, dass in den vergangenen 25 Jahren etwa 30.000 unserer Klientinnen ihr Kind bekommen haben.“
Die Beratung und die Hilfe für Frauen in Schwangerschaftskonflikten ist für Ebner das Herzstück der Arbeit der „Aktion Leben“. „Und deshalb bin ich froh, dass wir heute in allen Bundesländern durch eigene Einrichtungen oder die Zusammenarbeit mit anderen – meist kirchlichen – Stellen Frauen in Schwangerschaftskonflikten eine gute Beratung und materielle Hilfe anbieten können.“
Als Grit Ebner 1977 vom Katholischen Familienverband, der das Volksbegehren zum Schutz des Lebens (1974/75) wesentlich mitgetragen hatte, als Generalsekretärin zur „Aktion Leben“ wechselte, befand sich die Lebensbewegung in einer schweren Krise. Die SPÖ hatte gerade ohne das geringste Entgegenkommen das Volksbegehren niedergestimmt. Von den zuvor versprochenen flankierenden Maßnahmen war keine Rede mehr.
Die Frau im Blick
„Damals“, so Grit Ebner, „haben wir uns gesagt, die politische Schlacht haben wir vorerst verloren, jetzt kommt die Tat der Liebe. Und gemeinsam mit Walter Csoklich als erstem Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins haben wir begonnen, die ,Aktion Leben‘ neu aufzubauen.“ Die Schwerpunkte waren: Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Hilfe, sowie gesellschaftspolitisches Eintreten für den Lebensschutz. „Neben dem Schutz des ungeborenen Kindes haben wir sehr bewusst die Frau in den Mittelpunkt unserer Arbeit gestellt. Und ich verstehe bis heute viele Frauenrechtlerinnen nicht, die immer nur die Erleichterung der Abtreibung fordern, aber die Augen davor verschließen, dass sehr viele Frauen zur Abtreibung genötigt werden. Diesen Frauen durch Beratung und Hilfe die Hand zu reichen und ihnen zu einer eigenen Entscheidung zu verhelfen, das ist mein Verständnis von Frauensolidarität“, meint Ebner, die nach ihrem Ausscheiden als Generalsekretärin (1990) bis heute der „Aktion Leben“ als Vorstandsmitglied verbunden ist. Auch für die aktuelle Generalsekretärin Gertraude Steindl ist es ein anhaltendes Ärgernis, dass über eine bessere Beratung und Hilfe für Schwangere in Notlagen kein vernünftiger politischer Dialog möglich ist. „Dabei wäre es so wichtig, unsere Erfahrungen, die wir im bescheidenen privaten Rahmen gesammelt haben, auf eine breitere Basis zu stellen. Mein Ziel wäre es, dass jeder Frau vor einer Abtreibung oder in einer Schwangerschaftskonfliktsituation eine gute Beratung angeboten wird und die staatlichen Stellen auch endlich Geld für konkrete Überbrückungshilfen in die Hand nähmen.“
In den vergangenen Jahren ist für die „Aktion Leben“ ein weiterer Schwerpunkt dazugekommen: Der Schutz des menschlichen Lebens vor dem Zugriff der Embryonenforschung und der vorgeburtlichen Selektion.
Zur Sache
Aktion „Willkommen Baby“
In Tirol ist die „Aktion Leben“ seit 1975 tätig. Heute liegt ihr Schwerpunkt vor allem in der Bildungsarbeit. Sie hält zahlreiche Vorträge in Schulen (56 Klassen im letzten Jahr) und Erwachsenengruppen u. a. zu den Themen: vorgeburtliche Entwicklung des Kindes; pränatale Diagnostik; Liebe, verantwortungsvolle Sexualität; Empfängnisverhütung; Hilfen im Schwangerschaftskonflikt; Abtreibung und ihre Folgen; Biomedizin; Adopition. Außerdem unterstützt die „Aktion Leben“ die Patenschaftsaktion „Willkommen Baby“. Bei der Beratung und Hilfe arbeitet die „Aktion Leben“ mit der Schwangerenberatung der Caritas zusammen.
1954 gründete der Jesuit Georg Strangfeld mit einer Gruppe engagierter katholischer Akademiker/-innen „Rettet das Leben“, eine Gemeinschaft zum Schutz der Ungeborenen. Da die Abtreibungszahlen trotz der angedrohten Strafe erschreckend hoch waren – man schätzte 100.000 pro Jahr– , wollte man die „Gewissen wachrütteln zur Ehrfurcht vor dem Leben im Mutterleib“.
Bereits 1955 fand an der Uni Wien die erste Großveranstaltung unter dem Titel „Abtreibung – warum nicht?“ statt. Unter den Referenten war damals der St. Pöltner Bischofkoadjutor Franz König. Trotz gegenteiliger konservativer Propaganda hat König bis kurz vor seinem Tod das Anliegen des Lebensschutzes immer aktiv unterstützt. In der Folge wurden in einer Reihe von Bundesländern weitere „Rettet das Leben“-Vereine gegründet. 1957 fand die erste gesamtösterreichische Tagung statt. Die Ziele waren: Bewusstseinsbildung, Eintreten für eine kinder- und familienfreundliche Politik und Fürsorge für bedürftige Frauen und Familien, z. B. durch finanzielle Unterstützung der Caritas- Mütterhilfe. Als die sozialistische Regierung beschloss, die Fristenregelung einzuführen, wurde 1971 die „Aktion Leben“ als Bürgerbewegung gegründet. Sie wurde von allen großen Laienbewegungen getragen und den Bischöfen unterstützt. Aber auch das damals größte Volksbegehren (1975) mit 895.665 Unterschriften für den Schutz des Lebens konnte die Fristenregelung nicht zu Fall bringen. 1978 schlossen sich „Rettet das Leben“ und „Aktion Leben“ zusammen. Zu den alten Zielen kamen die Beratung und die Hilfe und seit 1995 die bioethischen Fragen hinzu.