Im oberösterreichischen Zentralraum wachsen Gemeinden durch die Stadtflucht. Auch die Pfarren werden zahlenmäßig größer. Die neu Zugezogenen zu integrieren ist jedoch eine anspruchsvolle Aufgabe.
„Könnt ihr mir die neue Statistik schicken?“ P. Bruno, Pfarrer von Weißkirchen an der Traun, telefoniert mit dem Gemeindeamt. Seit 1991 ist er hier Seelsorger und in den ersten zehn Jahren ist Weißkirchen um fast 27 Prozent gewachsen. „Die Menschen ziehen zu uns wegen der Lebensqualität und der Anbindung an die Autobahn – sie müssen nicht weit in die Arbeit nach Wels oder Linz fahren.“ P. Bruno weiß das von den Gesprächen mit neuen Weißkirchnern, die er und die Pfarrblattausträger führen. „Der persönliche Kontakt zu den Neuen ist der mit Abstand beste“, sagt er aus seiner Erfahrung, wobei es oft gut ist, wenn es einen konkreten Anlass gibt: „Für ein Taufgespräch nehme ich mir schon zwei bis drei Stunden Zeit.“ Die positivsten Erlebnisse sind jene, wenn die jungen Eltern schon vor dem Umzug in die Gemeinde in die Pfarre kommen, weil sie ihre Kinder hier taufen lassen möchten.
Manche wollen Ruhe
Aber es gibt für P. Bruno auch die andere Erfahrung: „Viele ziehen hierher, bauen Haus, Garten und Swimming-Pool und haben das Gefühl, sie wollen in Ruhe gelassen werden.“ Mit dieser Erfahrung ist der Benediktiner nicht alleine, auch Mag. Hans Wührer, Pfarrer in Reichenau/Mkr. kennt diese Erfahrung. Wie P. Bruno sieht er im Kinder- und Jugendangebot der Pfarre einen Weg zur Integration der Neuen in der Zuzugsgemeinde: „Wir haben z. B. eine Spielgruppe für Mütter und Kleinkinder, die diese Funktion erfüllt.“ Auch Reichenau setzt auf den persönlichen Kontakt: „Bei uns gibt es Sprengelverantwortliche, die das Gespräch mit den Neuen suchen. Bei der Gottesdienstgestaltung muss man auf die speziellen Verhältnisse von Familien mit kleinen Kindern Rücksicht nehmen.“ Ähnliches berichtet auch P. Bruno: „Bei den Familienmessen ist die Kirche voll, ebenso zu Weihnachten, Ostern und Erntedank.“ Die Leute direkt zum Gottesdienstbesuch zu bewegen, davon hält Pfarrer Mag. Walter Miggisch aus Pucking, dem mit 33 Prozent am meisten gewachsenen Ort OÖ, nichts. „Ich bin da sehr sensibel, die Leute sollen nicht den Eindruck haben: „Da kommt der Pfarrer, der uns zum Kirchenbesuch überreden will. Vielmehr soll dies aus den anderen Aktivitäten der Pfarre erwachsen, aus den Gruppen im Sozialbereich, beim Fair Trade oder den Jugendaktionen. Da fließt ja auch viel in unsere Gottesdienste ein. Der persönliche Kontakt ist am wichtigsten, unsere Pfarrblattausträger übergeben den Neuen den Folder mit dem Pfarrangebot.“ Zum Angebot der Kirche gehört auch die Seelsorge an älteren Menschen. „Manchmal nehmen die jungen Familien die Großmutter oder den Großvater in den Haushalt auf, wenn diese nicht mehr alleine wohnen können. Auch das sind Zugezogene, zu denen ich den Kontakt suche“, sagt P. Bruno.