Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen ist nach wie vor gefragt
Ausgabe: 2004/42, Schule, Religionsunterreicht, Burgstaller, Jugend, berufsbildende Schule
21.10.2004
- Matthäus Fellinger
Die Teilnehmerzahlen im Religionsunterricht sind stabil, freut sich Mag. Willibald Burgstaller (Bild), Fachinspektor für berufsbildende mittlere und höhere Schulen mit insgesamt rund 30.000 Schülern und Schülerinnen in Oberösterreich
Im Religionsunterricht kommen Kernfragen des Lebens zur Sprache. An berufsbildenden Schulen ist das besonders gefragt.
„... und in den HTL’s, da wird es ganz anders sein“, bekommt Willibald Burgstaller oft zu hören, wenn es um die Teilnehmerzahlen am Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen geht. Es ist auch anders. Besser nämlich. Die Höheren technischen Lehranstalten verzeichnen die niedrigsten Abmeldezahlen vom katholischen Religionsunterricht. 88 Prozent aller katholischen HTL-Schüler/innen – das sind knapp 11.000 – besuchen in Oberösterreich den Religionsunterricht. Doch auch die anderen berufsbildenden Schulen wie den Handelsakademien und humanberuflichen Schulen (Früher: HBLA, Sozialschulen, Familienhelferinnen, heilpädagogische Schulen usw.) liegen gut: 85 Prozent ziehen den Religionsunterricht einer zusätzlichen Freistunde vor. Auch an jenen insgesamt 22 Schulen in Oberösterreich, in denen als Schulversuch auch Ethikunterricht als Alternative zu Religion angeboten wird, gibt es keine Probleme, betont Fachinspektor Mag. Willibald Burgstaller. Seit einem Jahrzehnt betreut er die rund 180 Religionslehrkräfte an den berufsbildenden Schulen in Oberösterreich. Die in den letzten Monaten spürbare Krisenstimmung in der Kirche Österreichs wirkte sich auf den Religionsunterricht kaum aus. An Personal- und Organisationsfragen der Kirche seien Schüler/innen kaum interessiert, meint Burgstaller. Was sie sehr wohl interessiert, sind Aussagen der Kirche zu lebensrelevanten Themen, wie etwa Sexualität. Da möchten sie aber gegebenenfalls ihren Unmut im Religionsunterricht äußern können. Die religiöse Landschaft ist in den Schulen vielfältiger geworden. Es gibt deutlich mehr Muslime, auch wesentlich mehr Schüler/innen ohne religiöses Bekenntnis. Das macht Religion selbst verstärkt zu einem Thema unter Jugendlichen. Willibald Burgstaller sieht es aber auch als ein Verdienst äußerst qualifizierter Religionslehrkräfte an, die sich über das Unterrichtsfach hinaus in ihren Schulen engagieren – als Bildungsberater zum Beispiel. Schließlich stellt der Religionsunterricht im Lehrplan ein für Jugendliche höchst attraktives Angebot dar. Die beiden Wochenstunden Religion sind an berufsbildenden Schulen oft die einzigen allgemeinbildenden Fächer – von Geschichte abgesehen. Hier geht es eben um Lebensthemen. Wenn selbst an einer Abendschule wie dem LITEC (Linzer Technikum) über 50 Prozent Religion besuchen, spricht das für die Attraktivität. Religion ist an den Schulen Pflichtfach – jedoch mit der Möglichkeit, sich abzumelden. Mit 14 Jahren entscheiden Jugendliche selbst, ob sie Religion besuchen wollen. Bis dahin können Erziehungsberechtigte die Kinder abmelden. Die Abmeldemöglichkeit besteht jedes Jahr in den ersten zehn Schultagen – eine Herausforderung auch an die Religionslehrkräfte, die für ihr Fach „werben“ müssen. Dass in den letzten Jahren die Abmeldezahlen praktisch gleich geblieben sind, wertet Burgstaller als eine erfreuliche Tatsache.
Zum Thema
Aus der Schule geplaudert
Lange ist es für viele her, dass sie eine Schule von innen gesehen haben. Die Kirchenzeitung will Schultüren öffnen. Ein Religionslehrer und eine Lehrerin an einer Kleinschule sind bereit, aus der Schule zu „plaudern“. Ab nächster Woche, Seite 6.
Mag. Anton Planitzer wird aus seinem Religionslehrer-Alltag an der HTL Braunau berichten. Der 45-jährige Theologe stammt aus Neukirchen bei Altmünster und ist seit 1984 an der HTL in Braunau tätig. Seit 1989 ist er dort auch Bildungsberater. Mit seiner Frau und zwei Kindern lebt er in Wippenham. 1057 Schüler/innen, davon 91 Mädchen besuchen die HTL Braunau.
Helga Beham leitet die Volksschule von St. Georgen bei Obernberg. Die Schule wird zweiklassig im „Abteilungsunterricht“ geführt – 1. und 2. Schulstufe bilden eine Klasse, ebenso die 3. und 4. Die 1952 geborene Helga Beham unterricht in der ersten Schulstufe Mathematik und Deutsch. Sie hat an der Schule eine halbe Lehrverpflichtung und ist am Sonderpädagogischen Zentrum tätig – Beratung bei Legasthenie, Lernschwierigkeiten und sonderpädagogischem Förderbedarf.