Schutzprojekt kümmert sich um Fledermausquartiere in Kirchen
Ausgabe: 2004/45, Fledermäuse, Kirche, Schutzprojekt, Dachböden, St. Georgen/Gusen, Reiter, Pysarczuk
02.11.2004
- Heinz Niederleitner
Dachböden von Kirchen und Schlössern sind bevorzugte Quartiere für Fledermäuse. Sie müssen erhalten bleiben, damit diese Tiere bei uns nicht aussterben.
Es stinkt! Manche sagen, es riecht auch nach Weihrauch. Auf dem Dachboden über dem Presbyterium der Pfarrkirche St. Georgen/Gusen räumen Dr. Guido Reiter und Mag.a Simone Pysarczuk den Kot der Fledermauskolonie weg, die in den letzten Wochen ihr Quartier verlassen und sich einen Unterschlupf für den Winter gesucht hat. „Fünf Mausohren sind noch da,“ sagt Reiter. Direkt unter dem Dachfirst hängen die nach ihrer Ohrform benannten Tiere.
Bedrohte Arten
Das Große Mausohr ist mit 40 cm Flügelspannweite die größte bei uns auffindbare Fledermausart. In Oberösterreich dürfte sie auch die häufigste sein. Die kleine Hufeisenfledermaus jedoch lebt in Oberösterreich an der Grenze ihres Verbreitungsgebietes. Deshalb lässt sich ihre Bedrohung bei uns gut dokumentieren: Sind sie noch da oder haben sie sich schon zurückgezogen? Reiter und Pysarczuk gehören einem Artenschutzprojekt für Fledermäuse an, dass 1998 in Salzburg startete, mittlerweile in Kärnten, Tirol, Vorarlberg und in Oberösterreich tätig ist. „In Oberösterreich sehen wir uns Fledermausquartiere in Schlössern und Kirchen an. Wir möchten die Quartiergeber – oft sind dies die Pfarren – über die Fledermäuse informieren, damit die Quartiere erhalten bleiben“, sagt Reiter. Dies bedeutet, dass man Umbauarbeiten möglichst in der Zeit vollzieht, wenn die Tiere ihre anderen Quartiere bezogen haben, oder beim Kampf gegen den Holzwurm nur die Gifte verwendet, welche die Fledermäuse nicht bedrohen. Kaum jemand zerstört mutwillig die Behausungen der Fledermäuse, sondern aus Unwissen.
Freiwillige Unterstützung
„Ein Markenzeichen unseres Projektes ist, dass wir freiwillige Quartierbetreuer ausbilden, welche die Bestände zählen“, berichtet Guido Reiter. Erst im Frühjahr fand wieder ein Seminar statt. Ein Aspekt ist auch die Reinigung der Dachböden vom Kot der Tiere.
Guter Dünger
In St. Georgen haben Reiter und Pysarczuk bereits mehrere Säcke mit dem Kot der Fledermäuse gefüllt. „Hier ist es nicht so viel. Ungefähr 200 Tiere dürften sich hier normalerweise aufhalten“, schätzt der Fledermaus-Experte. Für den Kot findet er meist leicht Abnehmer, denn er eignet sich sehr gut zum Düngen.
Auch in St. Georgen bleibt er nicht auf den Exkrementen sitzen: Immer wieder werden die beiden Forscher am Dachboden besucht. Gegen eine freiwillige Spende für das Artenschutzprojekt wechselt der Kot den Besitzer. Reiter verspricht außerdem, einen Zettel mit der genauen Anwendung des Dungs für Zimmerpflanzen im Pfarramt zu deponieren. Auch in St. Georgen hat er mit dem Projekt Erfolg. Nur die fünf Mausohren im Dachfirst machen ihm Sorgen: „Die sollten eigentlich schon weg sein. Wenn sie dableiben, werden sie den Winter nicht überleben.“