Die fünf Gesundheitssäulen – Lebensordnung aus der Bibel, Heilkräuter, Ernährung, Bewegung und Wasser – informieren beim Messe-Stand der Marienschwestern kompakt über den weltanschaulich-religiösen Hintergrund ihres Angebots. Interessierte wissen damit, woran sie sind, und können sich dann besser entscheiden ...
Bunt gemischt war das Angebot auf der Gesundheitsmesse: Raunasaft, Naturprodukte, Schulmedizin, Kneippen, Whirlpools, Handy-Anbieter und Puppenaussteller hatten ebenso Platz wie Markt-Standl mit Engelsprays und Edelsteinen.
Auch kirchliche Einrichtungen waren in Wels vertreten. Durchwegs freudig überrascht zeigten sich Besucher/innen, als sie in Halle 4, Stand 10 auf die Koje „Kneippen mit den Marienschwestern“ stießen. Zwei Marienschwestern vom Karmel machten hier auf ihr Kneipp-Angebot in Bad Mühllacken aufmerksam. Sr. Gabriele Fesl und Sr. Leopoldine Hollnsteiner luden gemeinsam mit einer Mitarbeiteirn ein zum Entspannen im Liegestuhl. Eine „Wohlfühl-Auflage“ aus Heublumen wurde um den Nacken gewickelt und wärmte angenehm. Dazu gab es eine Tasse Tee. Sr. Gabriele Fesl erzählt, dass sich eher das ältere Publikum für Kneipp-Angebote erwärmt. Genau jene, die auch bei der Gesundheits-Messe am besten vertreten waren.An die 20.000 Besucher/innen strömten von 5. bis 7. November in die Messestadt Wels. Anziehungspunkt war jene Veranstaltung, die mit vollem Wortlaut: „Messe für Gesundheit, Schönheit, Fitness und Wohlbefinden“ heißt.
Gesundheit an erster Stelle
Der Gesundheitsmarkt wächst. Für 87 % der Österreicher/innen steht das Thema Gesundheit im Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit an erster Stelle, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des „market“-Instituts.Gesundheitsthemen können – wie die 200 Aussteller/innen bei dieser Messe zeigten – sehr weit gefasst sein. Warum etwa ein Handy-Anbieter oder ein Puppen-Aussteller hier seine Waren feilbietet, bleibt unklar. Dass Whirpools, „gesunde“ Betten und Massageliegen für Wohlbefinden sorgen können, ist nachvollziehbar. Der Besuch der Gesundheitsstraße (u. a. mit Ärztekammer, Gebietskrankenkasse, Ärzten und dem physikalischen Institut der Kreuzschwestern) wirkt hier wie ein nüchterner Beitrag von Seiten der Schulmedizin. Tausende Gesundheitspässe seien hier ausgestellt worden, gaben die Veranstalter am Ende der Messe bekannt.
Jungbrunnen
Während beim Lokalaugenschein am Freitagnachmittag bei der Gesundheitsstraße gähnende Leere herrschte, konnten sich die Anbieter von Naturkosmetik, Erdäpfel-Salben, Vitamin-Pillen, Yams-Wurzeln – „ein Jungbrunnen, der das Alter bremst“ – und japanischen Ölen über regen Zuspruch freuen. Produkte aus kontrolliertem biologischem Anbau (Käse, Wurst, Joghurt, Wein, Brot) gingen weg wie die warmen Semmeln. Shiatsu, das durch sanfte Berührung die Energien des Köpers wieder in Fluss bringen soll, und Yin-Yang, „ein königliches Naturmittel aus Asien“ werden angeboten: „Wenn die Seele traurig ist, stärkt Yin-Yang Körperkraft und Geist.“ Auffallend: Die Grenzen der geistigen Strömungen, die hier um die Gunst des Publikums werben, sind fließend und bleiben großteils undefiniert. Aus welchem weltanschaulich- religiösen Hintergrund z. B. die Engellehre samt Engelsprays kommt, ist selbst den Verkäuferinnen unklar. Beim mehrmaligen Nachfragen fällt man schon ungut auf. Die Engelessenzen in Sprühfläschchen helfen in schwierigen Lebenslagen, versichern mir die Anbieterinnen. „Manchmal spritz ich mir mehrmals am Tag was, manchmal nur einmal“, erzählt die Verkäuferin. Wer mit den Engeln nicht glücklich wird, kann sich mit Edelsteinen oder Reiki energiemäßig wieder ins Lot bringen. Das Angebot aus diesem Bereich kommt jedenfalls gut beim Publikum an. Ist es die Sehnsucht „gesund, jung und schön“ zu bleiben oder zu werden, die hinter so manchem Kauf steckt? Der Wunsch ewig zu leben? Oder geht es um ein geglücktes Leben? „Auch Puppen machen glücklich“, meint der Puppen-Aussteller. Gesundheit und Wohlbefinden wird in Wels eben sehr weit gefasst ...