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Linzer Dom: Dreifaches Wahrzeichen

8. Dezember: Was den Linzer Dom mit dem Mariendogma verbindet
Ausgabe: 2004/49, Dom, Wahrzeichen, Strasser, Dompfarrer, Gottesmutter Maria, Bischof Rudigier
30.11.2004
- Matthäus Fellinger
Bild links: Dr. Maximilian Strasser ist seit 1998 Pfarrer der Dompfarre. Dass die Bischofskirche eine Marienkirche ist, führte ihn auch persönlich zu einer deutlicheren Auseinandersetzung mit der Gestalt Marias und ihrer Stellung im Glauben.
Foto: Matthäus Fellinger

Bild rechts: Detail aus einem Domfenster: Bischof Rudigier (unten) bietet Maria den Dom an.
Foto: Franz M. Glaser




Mit 134,8 Metern überragt der Turm des Maria-Empfängnis-Domes die Linzer Innenstadt. Ein Wahrzeichen im doppelten Sinne, macht er doch auf drei Wahrheiten aufmerksam, die auch heute Menschen gut tun.

Eine in Stein gebaute Antwort auf die Verkündigung des Mariendogmas durch Pius IX. im Jahr 1854 – das ist der Linzer Dom. Das Ansinnen des Papstes die Lehre, Maria sei ohne Sünde zu dogmatisieren,war in in Oberösterreich auf fruchtbaren Boden gefallen. Bischof Gregor Thomas Ziegler hatte in seiner Eingabe an Rom auf die lebendige Marienverehrung in der Diözese Linz hingewiesen und gemeint, dass die Lehre von der unbefleckten Empfängnis der Gottesgebärerin heilsamer sei als deren Gegenteil.

150 Jahre nach der Verkündigung stellt die Lehre von der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria einen „Reibebaum“ im Glaubensverständnis vieler Menschen dar.

Im Dombau unter Bischof Franz J. Rudigier kam die breite Zustimmung zum damaligen Anliegen des Papstes zum Ausdruck. So sieht es Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser. Er vergleicht das mit dem heutigen Einsatz Bischof Maximilian Aicherns für die vom Papst besonders betonten sozialen Anliegen. Heute wie damals nimmt die Diözese Linz weltkirchliche Anliegen ernst.

Wahrzeichen Gottesmutter


Die Mariendogmen und der Linzer Dom sprechen zentrale Wahrheiten des Lebens an, meint Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser im Gespräch mit der Kirchenzeitung.

Maria ist Gottesmutter. Das ist das erste „Wahrzeichen“ des Dogmas. Das ist zuallererst eine Aussage über Jesus selbst. Jesus ist nicht einfach „passiert“, wie heute oft über das Werden des Menschen leichthin gesagt wird. Der Gottessohn wurde von Maria in einer bejahenden Mutterschaft angenommen. Sie hat das Ihre getan, dass Jesus der werden konnte, der er für die Menschen geworden ist. Das sagt auch etwas über Muttersein aus: Ein Kind bewusst und aktiv anzunehmen, so wie es ist, ist auch heute eine Herausforderung. Die eigene Mutter- und auch Vaterrolle zu finden – dazu kann die Aussage über die Gottesmutterschaft eine Hilfe sein.

Wahrzeichen Erbschuld


Maria wurde ohne Erbsünde empfangen. Diese zweite Aussage des Dogmas macht vielen Menschen heute Probleme. „Ich bin vom Bösen auf der Welt betroffen, auch wenn ich selbst noch nichts Böses getan habe“. Das bedeutet Erbschuld. Menschen sehen heute Freiheit oft sehr problematisch – als bestünde diese nur darin, einem andren Willen nicht entsprechen zu müssen. In Freiheit das Richtige tun, das ist echte Freiheit. Gott hat Maria befähigt, in Freiheit ihr Ja zu Jesus, das heißt zum Willen Gottes, zu sagen. Das trifft in die Mitte der Lehre, dass Maria von der Erbschuld bewahrt war.

Wahrzeichen Jungfrau


Am meisten Schwierigkeiten haben heutige Menschen mit der Lehre von der Jungfräulichkeit Marias. Im Glaubensbekenntnis wird gebetet, Jesus ist „empfangen durch den Heiligen Geist“. Wir verdanken Jesus der Liebe Gottes, soll damit gesagt sein. Nicht eine Aussage über die biologischen Vorgänge wollte man machen, sondern den tiefsten Ursprung Jesu benennen. Dieser ist mehr als „Sohn Davids“ oder „Erfüllung Israels“. Er kommt von Gott. Ziel der Aussage über Marias Jungfräulichkeit ist ein Bekenntnis zu Christus – formuliert in einer Zeit, in der man sich den Vorgang der Zeugung noch anders vorstellte, weil man etwa von einer Eizelle noch nichts wusste.

Lebenserfüllung findet ein Mensch nicht in leiblicher Begegnung für sich genommen. Letztlich stellt sich hier die Frage nach verantwortetem Umgang mit der Sexualität. Die Rede von der Jungfräulichkeit Marias wertet Sexualität nicht ab. Sie zeigt aber, dass Sexualität nicht die letzte Lebenserfüllung bringen kann. Leibliche Liebe unter Menschen verweist auf ein Mehr. Gerade im Ehesakrament wird sie als Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen verstanden. Jungfräulichkeit und christlich gelebte Ehelosigkeit verweisen auf die größere Liebe Gottes. Worin Erfüllung bestehen kann, wird im Leben Marias deutlicher.




ZUM THEMA


Richtung Himmel


Wer den Linzer Dom beim Turm-Portal betritt, hat ganz vorne eine Darstellung der Himmelfahrt Mariens vor sich. Das ist das Ziel des Menschen, der sich mit Maria auf seinen Lebensweg begibt. Dass das Himmelfahrtsmotiv als „Hauptbild“ im Maria- Empfängnis-Dom gewählt wurde, ist bemerkenswert. So spannt der Dom einen Bogen über das ganze Leben. Der Besucher kann seinen Lebensweg vom ersten Augenblick bis zur letzten Stunde symbolisiert sehen. Die Glasgemälde zeigen, in welchem christlich geprägten Land er lebt. Und sie spannen den Bogen zu den Bildern der Heilsgeschichte, bis zur Vollendung in der Himmelfahrt.


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