„Es wird noch lange dauern, bis die Grenze in den Köpfen der Menschen weg ist. Es gibt viele Ängste und Vorurteile“, meint Karl Immervoll.
Seit Jahren bemüht sich die Betriebsseelsorge im nördlichen Waldviertel, grenzüberschreitende Kontakte nach Tschechien aufzubauen. Seit drei Jahren gibt es dafür Geld von der EU. Begonnen habe er damit, sagt Betriebsseelsorger Karl Immervoll, „weil ich gesehen habe, wie schnell bei uns die Stimmung gekippt ist. Als die ersten Betriebe begannen, Teile ihrer Produktion nach Tschechien zu verlagern, wurde aus der anfänglichen Freude über die offene Grenze Angst und Aggression.“ Dabei kam es auch zu Gehässigkeiten, wenn österreichische Arbeiter ihre Konkurrenten anlernen mussten. Auf der anderen Seite stellte Immervoll aber auch bei den tschechischen Arbeitern ganz ähnliche Ängste fest. „Die wurden in den letzten 15 Jahren vom Turbokapitalismus regelrecht überrollt und aus relativ gesicherten Lebensverhältnissen (Wohnung, Arbeit, Gesundheitsvorsorge) in eine völlig ungewisse Zukunft geschleudert. Für mich war das der Anstoß, die Menschen diesseits und jenseits der Grenze zusammenzubringen. Denn wenn man sich in die Augen schaut, am selben Tisch sitzt und mehr voneinander weiß, dann schmelzen auch die Vorurteile.“ Außerdem gab es zwar im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich einen regen Austausch, aber nicht unter den Arbeitnehmern. Und so organisierte die Betriebspastoral gegenseitige Werksbesuche und Gesprächsrunden und bemühte sich, Betriebsräte über die Grenze hinweg zusammenzubringen. Wichtig war Immervoll aber auch die Begegnung der Menschen, die einmal zu einer gemeinsamen Region gehört haben. „Und weil es da aus der Zeit der Vertreibung noch viele tief sitzende Vorurteile gibt, bemühen wir uns auch, über diese Zeit zu informieren und die Leute miteinander ins Gespräch zu bringen.“ Er selber, so Karl Immervoll, habe über diese Arbeit sowie durch das Musizieren (Orgel) viele Freunde in Tschechien gewonnen.