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Die Spirale des Terrors

Pax Christi Österreich zum Weltfriedenstag: Solidarität statt Bomben
Ausgabe: 2004/52, Renoldner, Terror, Kampf, Gewalt, Terrorismus, Pax Christi, Weltfriedenstag
21.12.2004
- Severin Renoldner
„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute.“ Unter dieses Motto stellt der Papst sein Wort zum 38. Weltfriedenstag am 1. Jänner. Für Pax-Christi Österreich ein Anlass, über den Terrorismus und seine Folgen nachzudenken.

Am 11. März 2004 schlug der internationale Terrorismus mit den fürchterlichen Attentaten in Madrid auch auf europäischem Boden zu. Im Kampf gegen den Terrorismus hat aber auch die demokratische Welt Grenzen der Humanität überschritten. Die Vorkommnisse beim österreichischen Bundesheer – Übungen mit Geiselnahmen und Scheinexekutionen – sind auch vor diesem Hintergrund zu sehen.

Zurückhaltung bei Gewalt

Terrorismus ist das Begehen krimineller Gewalttaten mit politischem Hintergrund. Es handelt sich um die Mittel der „Schwachen“. Terroristen sind meist nicht in der Lage, wirklichen Krieg führen zu können. Daher führen sie ihren Krieg „nadelstichartig“ an heimlich ausgewählten Schauplätzen. Terroristen agieren meistens gegen einen bestimmten Staat, eine Gesellschaftsordnung oder die führenden, machthabenden Personengruppen. Sie attackieren aber auch unschuldige Personen in einem bestimmten Volk oder Staat. Wegen der Hinterhältigkeit, dem Fehlen jeder Rechtsbasis und der aus-ufernden Gewalt wird Terrorismus oft scharf moralisch verurteilt – so auch im neu erschienenen „Sozialkatechismus“ der katholischen Kirche.

Das Selbstverständnis der Terroristen heißt: Befreiungskämpfer. Wegen seines politischen Hintergrunds muss der Terrorismus auch politisch ernst genommen und politisch bearbeitet werden. Seine Verfolgung als rein krimineller Akt greift zu kurz und scheitert, ja facht den Terrorismus oft erst recht an. In vielen politischen Situationen führt die brutale Verfolgung und Bekämpfung von angeblichen Terroristen zu einer Verrohung der Kultur des Staates: Folter (z. B. im Irak), gezielter Mord, Einschüchterungen, Inhaftierungen ohne Anklage, Prozess und Urteil (Guantanamo) und andere Aufweichungen des Rechtsstaates sind häufig die Haupterscheinungen des sogenannten „Antiterrorkampfes“. Auch manche Kriege (Afghanistan, Irak) werden als „Kampf gegen das Böse“(Terror) geführt. Die Opferbilanzen sind oft größer als jene der Terroristen. Ebenfalls werden dabei häufig unschuldige Menschen zum Opfer.

Trotzdem bewirken die gewaltsamen Maßnahmen des „Antiterrorkampfes“ oft das Gegenteil ihres Zieles: sie schaffen Märtyrer und treiben Menschen unterdrückter Volksgruppen in die Arme der Drahtzieher des Terrors. Das liegt durchaus in der Strategie der Terroristen: sie wollen den Staat als Übeltäter vorführen und zu einem heldenhaften „Befreiungskampf“ provozieren, was dann auch oft gelingt. Der wirkliche Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er sich nicht provozieren lässt und selbst keine terroristischen Methoden anwendet. Die westlichen Staaten müssen aufpassen, dass die Terrorabwehr nicht einem ebenso schlimmen Staatsterrorismus mündet.

An die Wurzeln gehen

Wiederholt hat der Papst in seinen Friedensappellen betont, der Kampf gegen den Terrorismus dürfe sich nicht in Unterdrü-ckungs- und Strafaktionen erschöpfen. Neben dem „notwendigen“ Rückgriff auf Gewalt sei auch eine nüchterne Analyse der Motive von terroristischen Anschlägen notwendig. Wo gegenüber Terrorismus Gewalt als letztes Mittel notwendig sei, dürfe sie nicht auf rechtsstaatliche Prinzipien ( z. B. UNO-Mandat ) verzichten.Erst wenn Unrechtsstrukturen beseitigt werden und die Not wahrgenommen wird, die Menschen dem Terrorismus zutreiben, gibt es eine Chance auf Änderung. Aktive Solidarität für Palästinenser in Not ist ein wirksameres Programm als Bomben auf irakische Städte.





Friedenswege
Zur Sache

In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Jänner beklagt Papst Johannes Paul eine „erschreckende Ausweitung gesellschaftlicher und politischer Phänomene des Bösen“, von der sozialen Unordnung bis zu Anarchie, Krieg, Gewalt und Unterdrückung. Der Friede sei das Ergebnis eines „harten Kampfes, der gewonnen wird, wenn das Böse durch das Gute besiegt wird“. Dass der Papst damit nicht dassselbe meint wie Präsident Bush, machte er in seiner Botschaft klar.
Zum Einsatz für den Frieden gehören aus der Sicht des Papstes der unbedingte Respekt vor dem Leben der Menschen und dem internationalen Recht ebenso wie die Förderung des Gemeinwohls und die gemeinsame Nutzung der Güter der Erde. In der globalisierten Welt setze Friede eine breite Teilhabe aller an den „Gütern des Fortschritts“ voraus. Eindringlich mahnt der Papst die reichen Länder ihre Entwick lungshilfe aufzustocken und eine Entschuldung der ärmsten Länder durchzuführen. Weiters fordert Johannes Paul II. ein gemeinsames Vorgehen gegen den Klimawandel. Besonders ins Blickfeld rückt der Papst Afrika. Er fordert dabei nicht nur mehr Solidarität mit diesem Kontinent, sondern ruft auch die afrikanischen Völker auf, die andauernden Kämpfe zu beenden und ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen, um so von einem Objekt der Hilfe zu einem Subjekt eines produktiven Austausches zu werden. Tief besorgt zeigt sich der Papst über das „tragische Phänomen der terroristischen Gewalt, die die Welt in eine Zukunft voll Angst und Schrecken“ treibe, sowie über das anhaltende Drama des Krieges im Irak und die weiterhin gefährliche Lage in Israel und Palästina.
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