Lust am Lesen wird in Enns bereits den Kleinsten vermittelt – bei der Vorlesestunde in der gemeinsam von stadt und Stadtpfarre geführten Öffentlichen Bibliothek.
In Oberösterreich ist die Kirche im Bibliotheksbereich besonders engagiert. Pfarren und Gemeinden arbeiten immer öfter zusammen.
„Es wirbelt ziemlich bei uns“, entschuldigt sich Silvia Deleja-Hotko. Wirbel ist etwas Gutes, wenn er in einer Pfarrbibliothek gegeben ist. Deleja-Hotko ist eine der wenigen hauptamtlichen Angestellten einer Pfarrbibliothek in Oberösterreich. Stadt und Stadtpfarre Enns-St. Marien führen diese Bibliothek gemeinsam – und zum beiderseitigen Vorteil. „Die Pfarre allein wäre finanziell überfordert“, meint die Leiterin. Und die Stadt klagt zwar manchmal über die Kosten, ist aber doch stolz auf die Bibliothek.
Unmittelbar nach Veröffentlichung der PISA-Studie, zweiter Teil, können Stadt und Pfarre Enns noch stolzer auf ihre Bibliothek sein.
Während an manchen öffentlichen Schulen in Österreich schon die Finanzierung des Lesebuches für jeden Schüler und jede Schülerin zum Problem geworden ist, warten in der Bibliothek im Falle von Enns rund 15.000 Bücher und andere Medien auf ihre Nutzer und Nutzerinnen.
Vor allem die Kinder lernen hier erstmals den Umgang mit Büchern. Jeden ersten Sonntag im Monat, 11 Uhr, wird Kindern in der Bibliothek Enns aus Kinderbüchern vorgelesen. „Ein Renner ist das“, freut sich die Leiterin. 50, 60 Kinder sind jetzt jedes Mal da.
Während Kinder die Bibliothek gerne nutzen, bleiben Jugendliche eher aus. Später allerdings, wenn sie selber Familien gründen, sieht die Bibliotheksleiterin viele von ihnen wieder. Die frühe Gewöhnung wirkt doch.
Dass eine Bibliothek in Schuss gehalten werden kann, dafür sind in Enns zur Zeit 24 Ehrenamtliche tätig. Sie leisten im Schnitt 1.800 Arbeitsstunden im Jahr.
Zehn Prozent des Bestandes werden jedes Jahr aussortiert, bis 2000 Medien gilt es in Enns jährlich neu zu registrieren, einzubinden. Büchereiarbeit hat nicht nur mit dem Kopf zu tun, sie ist auch „Handarbeit“.
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Die Lese-Weltmeister
Mehr Unterstützung der Gemeinden für Öffentliche Bibliotheken ist eine notwendige Konsequenz aus der PISA-Studie, betont Maria Fellinger-Hauer von der Bibliotheksfachstelle der Diözese Linz. Bestätigt sieht sie sich durch das Beispiel Südtirol. Südtirols Schüler/innen liegen in der Lesekompetenz noch vor Finnland an der ersten Stelle der PISA-Studie. Die jahrzehntelange Arbeit öffentlicher Bibliotheken und Schulbibliotheken habe zu diesem Erfolg beigetragen, meint Fellinger-Hauer. Südtirol hat seit 25 Jahren ein Landesgesetz, das die Gemeinden zur Errichtung von Bibliotheken verpflichtet. Es sei wichtig, gerade den ehrenamtlich geführten Bibliotheken eine ausreichende finanzielle Grundlage zu geben. Zusammen mit der in Oberösterreich vorbildhaften Bibliotheksförderung durch das Land würden 2 bis 3 Euro Gemeindezuschuss pro Einwohner eine finanzielle Basis herstellen, die qualitätvolle Bibliotheksarbeit möglich macht. Dann könnten sich auch kleine Bibliotheken zu Bildungs- und Kulturzentren entwickeln, die noch wirksamere Leseförderung anbieten. Nicht nur durch den Verleih, sondern auch mit Vorlesestunden, Lesenächten, Autorenbegegnungen bis zu Ferienleseaktionen betreiben die Bibliotheken Leseförderung. In Oberösterreich gibt es rund 300 Öffentliche Bibliotheken, davon 126 in ausschließlich pfarrlicher und 78 in kooperativer Trägerschaft von Pfarre und Gemeinde. 90 % der Bibliothekar/innen arbeiten ehrenamtlich.