Viele Menschen packen zu, damit Flüchtlingen geholfen werden kann
Ausgabe: 2005/01, Bad Zell, Martha Kern, Giglleitner, St. Thomas, Asyl, Menschen, Ausländer
04.01.2005
- Ernst Gansinger
Die Kinder der Flüchtlingsfamilien in Bad Zell strahlten.
Aus St. Thomas bei Waizenkirchen und Bad Zell kommen beispielhaft gute Nachrichten, wie sich Pfarren um Asyl suchende Menschen kümmern.
Von der Hebamme Kornelia Ortner, die dem pfarrlichen Sozialausschuss in St. Thomas angehört, erfuhr die Pfarre vom Schicksal der Tschetschenin Nathalia M.
Alles verloren
Sie floh über die Slowakei mit ihren drei Kindern nach Österreich, wo sie im Juni 2004 ankam. In Wels brachte sie ihr viertes Kind zur Welt. Ihr Mann wurde im tschetschenischen Krieg verschleppt. Sie hat seither kein Lebenszeichen von ihm. Eine Bombe zerstörte ihr Haus. Das erste Notquartier war ein Zelt, sie nennt es Tuchhaus, in einem Lager. Der Krieg zerstörte alles, was sie hatte. Angst wurde der ständige Begleiter. So entschloss sie sich zur Flucht.
Einstimmiger Beschluss
Der Sozialausschuss informierte im Pfarrblatt die Pfarrangehörigen vom Vorhaben, dieser Frau zu helfen, ihr eine Wohnung und Hilfestellung zu geben. Der Pfarrgemeinderat beschloss im November 2004 einstimmig, sich auf diese Aufgabe einzulassen. In der Folge galt es, eine Fülle von Fragen zu klären und ein geeignetes Quartier vorzubereiten. Frau M. brauchte zunächst die Anerkennung als Asylwerberin. Die Pfarre fand ein geeignetes Haus, kümmerte sich um den Mietvertrag, war behilflich bei den Arbeiten, die an und in der Wohnung nötig waren. Einrichtung wurde beschafft. Unkompliziert nahm die Volksschule St. Thomas das älteste Kind auf. Die Gemeinde Pollham erlässt für ein Kind im Kindergarten eineinhalb Jahre den Beitrag. Verschiedene Leute gaben Sachspenden. Der Rotary-Club half und hilft mit finanzieller Unterstützung aus.
Kontakte pflegen
Am 26. November zog die Frau mit ihren vier Kindern ein. Es spielten sich berührende Szenen ab. Nathalia M. bezeichnete die Helfer/innen als Engel ... Doch das Projekt hat erst begonnen: Jetzt geht es darum, der Frau und ihren Kindern auch auf Beziehungsebene Hilfe zu geben, den Kontakt zu halten und Begegnungs-Atmosphäre zu pflegen.„Für uns hat ein neues Kirchenjahr begonnen, für Frau M. vielleicht ein neues Leben“, meinte beim Gottesdienst am 3. Adventsonntag Pfarrgemeinderatsobmann Mag. Alois Giglleitner.
Weihnachtsfeier
Bad Zell. Der Sozialkreis der Pfarre hat alle fünfzig Asylwerber, die im Pfarrgebiet untergebracht sind, zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Dir. Herbert Stadler zeigte einen Diavortrag über Armenien, die Kinder bekamen Geschenke und die Erwachsenen Gutscheine. Die Kinder der Asylwerber, die aus Tschetschenien, Georgien, Serbien, Bosnien und Afghanistan kommen, bedankten sich mit Liedern und Gedichten aus ihrer Heimat.