Mit Hilfe eines Trauerbuches können sich Familien auf ganz persönliche Weise von ihren verstorbenen Angehörigen verabschieden.
Liebevoll betrachtet Lotte Riedler das Foto im goldfarbenen Zierrahmen. Es zeigt einen rüstig wirkenden Mann mit Baseballkappe. „Das ist das letzte Foto meines Mannes“, sagt Riedler, und ein wenig stolz fügt sie hinzu: „Unser Enkerl Simon hat es gemacht.“
Im vergangenen November ist ihr Ehegatte, mit dem sie 40 Jahre verheiratet gewesen war, gestorben. Obwohl Helmut Riedler manchmal gesundheitliche Probleme hatte, kam der Tod des 63-Jährigen für seine Angehörigen überraschend. „Eine Woche vorher waren wir noch auf Urlaub in einer Therme“, sagt die Witwe. Sie muss nach außen hin stark wirken: Begräbnis organisieren, bisherige Zuständigkeitsbereiche des Gatten übernehmen, Kinder trösten. In ihrer eigenen Trauer findet Lotte Riedler schließlich Zuflucht in Gesprächen mit ihrer Schwester Herta.
Doch ihre Schwester ist nicht die einzige, der sich die 62-jährige Pinsdorferin anvertrauen kann. Seit eineinhalb Jahren gibt es in Pinsdorf die Möglichkeit für Angehörige, sich in einem Gedenkbuch von ihren Verstorbenen zu verabschieden. Initiator war Pfarrassistent Mag. Gerhard Pumberger, der die Idee dazu nach dem tragischen Unfalltod eines Familienvaters im Sommer 2003 hatte. „Ich wollte den hinterbliebenen Familien eine Möglichkeit geben, ihre Trauer zu kommunizieren, eine Kette der Verbundenheit, der Hoffnung und des Trostes schaffen“, so Pumberger. Es sollte ein Trauerbuch für alle in der Ortsgemeinde sein, nicht nur für Katholiken.
Die Idee wurde von den Trauernden dankbar aufgegriffen: Seit das Buch existiert, gibt es zu jedem Todesfall in Pinsdorf eine Eintragung von Hinterbliebenen. Art und Gestaltung dieser letzten Zeilen an den Verstorbenen sind den Angehörigen überlassen. Das Buch, dem auch tröstende literarische Texte, beispielsweise von Anselm Grün, beiliegen, bleibt bis zum nächsten Todesfall im Besitz der Trauerfamilie. Mit dem Einverständnis der Verfasser werden die Eintragungen bei einer freien liturgischen Feier am Allerseelenabend vorgelesen.
Dabei hat Lotte Riedler von dem Trauerbuch erfahren. Unter dem Totenbild ihres Mannes haben sich auch ihre beiden Kinder und deren Partner von Helmut Riedler verabschiedet. „Ihm noch einmal meine Gedanken mitzuteilen, hat mir sehr viel Kraft gegeben“, sagt Lotte Riedler. Es hat ihr geholfen, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen.