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Nach dem Beben: Vom Mitleid zum Mithelfen

Bischof Aichern appelliert nach der Seebebenkatastrophe im Indischen Ozean
Ausgabe: 2005/02, Aichern, Bischof Aichern, Seebeben, Tsunami, Indischer Ozean, Tot, Verwüstung, Verwesung, Trauer, Nachbar in Not, Caritas, Mitleit, Kinder, KFB, Schönborn
12.01.2005
- Hans Baumgartner
Mehr als eine Woche nach der Seebebenkatastrophe im Indischen Ozean bewegt das Schicksal der Betroffenen nach wie vor die Weltöffentlichkeit. Auch außerhalb der Fastenzeit mögen Menschen auf Vergnügen verzichten und statt dessen den von der Katastrophe in Südostasien betroffenen Menschen helfen, schlägt die Katholische Frauenbewegung vor. Mit den anderen großen Spendenorganisationen beteiligt sich auch die Caritas an der österreichweiten Aktion „Nachbar in Not“. Bischof Maximilian Aichern betonte in seiner Jahresschluss-Predigt: „Wir wissen keine Antwort auf die Frage, warum Zehntausende plötzlich aus dem Leben gerissen wurden; wir können nur alles, was in unseren Kräften liegt, für die Betroffenen tun und unsere Hilfe beim Wiederaufbau zur Verfügung stellen.“ Kardinal Christoph Schönborn hat das Krisengebiet besucht. Er berichtet von bewundernswerter Solidarität Einheimischer und drückte das „Beileid“ Österreichs aus.




Einsatz am Flughafen


Notfallseelsorge hilft Flutopfern und deren Angehörigen


Bei der Ankunft der ersten Rückkehrer nach der Flutkatastrophe standen am Flughafen Wien auch Seelsorger zur Betreuung bereit. Die größere Herausforderung für die Seelsorge aber sind die Familien und Freunde der mindestens 470 Vermissten.

Der evangelische Notfallseelsorger Martin Vogel hatte Bereitschaftsdienst, als am 28. Dezember die Anfrage eintraf, ob Notfallseelsorger/innen am Flughafen Wien-Schwechat mithelfen könnten, die Rückkehrer aus dem Katastrophengebiet und deren Angehörige zu betreuen. In kurzer Zeit organisierte er ein Seelsorger/innen-Team, das die nächsten vier Tage gemeinsam mit der psychosozialen Akutbetreuung der Gemeinde Wien am Flughafen den Betroffenen zur Verfügung stand. WeitereSeelsorger/-innen hielten sich in Bereitschaft.

Im Rückblick hebt Vogel die gute Zusammenarbeit mit dem Akutteam hervor. „Wir waren da wirklich eine Mannschaft, die in einer nicht einfachen Situation an einem Strang gezogen hat.“ Dazu beigetragen habe sicherlich der gemeinsame Einsatz beim Grottenunglück am Pfingstdienstag, bei dem fünf deutsche Urlauber ums Leben gekommen waren. Da habe sich die Zusammenarbeit von Seelsorgern und Psychologen sehr bewährt. Auch manche Vorbehalte gegen die in Österreich noch relativ junge Notfallseelsorge konnten dabei abgebaut werden. „Am Flughafen war allerdings mehr der menschliche und psychologische Beistand gefragt und weniger der seelsorgliche“, meint Vogel. „Wir waren sowohl in die Betreuung von zum Teil schwer traumatisierten Rückeh-rern, die oft nur das nackte Leben retten konnten und schon tagelang kaum geschlafen hatten, eingebunden als auch bei der Zusammenführung von Angehörigen. Zuhören, beruhigen und informieren war dabei das Wichtigste. Wir haben sehr bewegende Szenen des Wiedersehens erlebt, wurden aber auch mit dem wachsenden Schmerz von Menschen konfrontiert, die Flugzeug um Flugzeug vergeblich auf die Rückkehr ihrer Lieben warteten.“

Der Akuteinsatz für die Notfallseelsorge wurde am 1. Jänner beendet. Dennoch sind die Seelsorger/innen österreichweit weiter in Bereitschaft. „Denn die schwierigsten Einsätze stehen uns möglicher Weise erst bevor, wenn die Toten heimgebracht werden oder wenn wir geholt werden, um gemeinsam mit Exekutivbeamten den Familien mitzuteilen, dass ihre Angehörigen umgekommen sind. Dann werden wir als Seelsorger/innen gefragt sein, um bei den Menschen in ihrem Leid auszuharren und mit ihnen die nicht beantwortbare Frage nach dem Sinn ihres Leides auszuhalten.“ Vogel appelliert aber auch an die Pfarren, sich jener Familien anzunehmen, die jetzt immer mehr in Hoffnungslosigkeit und Trauer hineinfallen. Denn in diesen Situationen komme es oft zu einer großen Verlassenheit.

ZUR SACHE


Seelsorge bei Notfällen


In den vergangenen Jahren haben die katholische und evangelische Kirche österreichweit Nofallseelsorger/innen ausgebildet. Sie sind – ausgenommen in Wien – ökumenisch organisiert und direkt mit Warnzentralen (Rotes Kreuz etc.) vernetzt. In Vorarlberg ist die Notfallseelsorge im Kriseninterventionsteam (KIT), dem alle einschlägigen Organisationen angehören, integriert. Aufgabe der Notfallseelsorge ist es, so die Oberösterreich-Koordinatorin Silvia Breitwieser, bei plötzlichen, nicht vorhersehbaren Todesfällen Angehörige in den ersten Stunden zu begleiten. Es handelt sich dabei immer um einen einmaligen Einsatz, nicht um eine länger andauernde Betreuung.Notfallseelsorger/innen können gerufen werden, wenn jemand plötzlich zu Hause stirbt oder wenn jemand verunglückt und die traurige Mitteilung gemacht werden muss. Sie sind dafür ausgebildet, Hinterbliebene durch ihr Dasein zu stützen und ihnen beim Abschiednehmen – auch durch Gebet und Rituale – beizustehen. Sie versuchen auch, das soziale Netz der Angehörigen und Pfarre zu aktivieren. Bei größeren Unglücksfällen stehen Notfallseelsorger/- innen sowohl Angehörigen als auch den überlebenden Betroffenen am Unglücksort und den Einsatzeinheiten zur Verfügung. Notfallseelsorge ist eine Ergänzung der Pastoral in Akutsituationen. Sie ersetzt aber nicht die Aufgabe der Christengemeinden, Menschen in ihrer Trauer zu begleiten und mit ihnen die Abgründe des Leids und die Frage nach dem „Warum lässt Gott das zu“ zu ertragen.

Kontakt: 0676/87 76 39 70







IM BLICK


Bischof im Einsatz


Am Silvesterabend machte der evangelische Bischof Herwig Sturm als Notfallseelsorger Einsatz am Flughafen Schwechat. Einen geplanten Urlaub in Kärnten, wo er früher als Superintendent tätig war und noch viele Freunde hat, sagte er kurzfristig ab. „Meine Kinder sind schon selbständig, da konnte ich leichter einspringen als andere, als Not am Mann war“, meint Sturm. Der Aufbau der Notfallseelsorge ist Bischof Sturm ein großes Anliegen und er hat selbst die dafür vorgesehene Ausbildung absolviert.

Die Situation am Flughafen war nach der Ankunft der Maschine aus Male gut vorbereitet und nicht sehr dramatisch. „Einige Leute waren psychisch allerdings sehr mitgenommen. Wir haben dann dafür gesorgt, dass sie rasch betreut wurden. Viele waren auch dankbar, dass jemand da war, mit dem sie reden konnten.“




Caritas-Spendenkonto 7.700.004
bei der P.S.K. (BLZ 60.000) Kennwort: Seebeben Südasien


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