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Der harte Weg in die Freiheit

Das Jahr 2005 ist auch Staatsvertrag-Gedenkjahr. Das Mühlviertel hat dazu besondere Erinnerungen.
Ausgabe: 2005/02, Staatsvertrag, Gedenkjahr, Soldaten, Russen, Besatzung, VS Hackstock, Franz Schmutz, Blöchl, FIgl, Raab, Schärf, Kreisky
13.01.2005
- Ernst Gansinger
Bild links oben: Franz Schmutz (Archiv)
Bild links unten: Ausflug mit dem LKW, ca. 1946 im Mühlviertel. Links der Fahrer, Hans Lasinger. Zwei Leitern dienten als Einstiegshilfe. (Bild: Archiv Mühlviertler Schlossmuseums Freistadt)
Bild rechts: Unbekannte Besatzungssoldaten, Freistadt, 1947




1955, Staatsvertrag, Mühlviertel: Endlich hatten Ungewissheit und Angst ein Ende. Endlich war man frei. Endlich hatte die Wirtschaft Spielraum ...!

Der Staatsvertrag vom Mai 1955 brachte dem Mühlviertel in ganz besonderem Maß die Freiheit. Der Weg dorthin war für viele sehr bitter. Nach dem Kriegsende kam das Mühlviertel unter sowjetische Besatzungsmacht. Der Staatsvertrag beendete die Zweiteilung Oberösterreichs � in die sowjetische Zone nördlich und die amerikanische Zone südlich der Donau.

Figl, Raab, Schärf, Kreisky


Der Direktor der Kleinstschule Hackstock in Unterweissenbach, Josef Kramer, der sich mit seiner Schule am Projekt �Österreich Album 1945 � 1955� beteiligt, setzt viele zeitgeschichtliche Impulse. Die Kinder interessiert das auch sehr. So schrieben sie zum Beispiel für die Recherche zum �Österreich Album� den nicht am Ort lebenden Verwandten und baten sie um Zeitzeugnisse der Jahre 1945 bis 1955. Die �Ernte� war groß. Jedes Kind bekam zumindest eine Antwort. Viele der Briefe endeten mit Sätzen wie: �Du kannst dir nicht vorstellen, wie schlimm das alles war und wie froh ich war, als alles zu Ende war.� Ein Ende, das den Beginn der Freiheit bedeutete, die Politikern wie Figl, Raab, Schärf oder Kreisky zu danken ist. Nur Figl aber mit seiner Botschaft �Österreich ist frei� ist vielen Kindern bekannt. Staatsvertrags-Bundeskanzler Raab, der am 8. Jänner 1964 gestorben ist, ist schon viel weniger bekannt.

Sowjetbesatzung


Der Kleinverleger Franz Steinmaßl aus Grünbach bei Freistadt, erst 1979 aus dem Traun- ins Mühlviertel zugezogen, befasst sich viel mit der Mühlviertler Zeitgeschichte. �Es war nicht so�, sagt er, dass die zehn Jahre Sowjetbesatzung durchgehend Terror bedeutet haben.� Der Terror war in den ersten Jahren, dann sei das Regime milder geworden, auch wenn man es weiterhin spürte. Schwierig gestaltete sich der Warenaustausch mit dem Süden Oberösterreichs. Auch nach dem Staatsvertrag wirkte die Sowjetpolitik ins Mühlviertel hinein � der Eiserne Vorhang existierte bis 1989.Während die Jugend südlich der Donau �amerikanisert� aufwuchs, blieb, so Steinmaßl, das Mühlviertel wegen der kulturellen Isolation konservativer. Für die Rock- und Popkultur und die sexuelle Liberalisierung war im übrigen Oberösterreich der Boden ungleich stärker aufbereitet.

Unsicherheit


Die Unsicherheit, wie es mit ihrem Land weitergehe, war im Mühlviertel verbreitet. Das wirkte sich auch wirtschaftlich aus. Wer investierte schon in einem Land, von dem nicht sicher war, ob�s nicht doch russisch bleibt? So erzählt zum Beispiel der heutige Kulturdirektor der Stadt Linz, Mag. Siegbert Janko, der 1945 in St. Leonhard bei Freistadt geboren wurde, dass seinem Vater ein Grundstück in Urfahr zum Kauf angeboten worden ist. Er lehnte ab � zu unsicher! ... Heute wäre es sehr viel wert.Der ehemalige Chefredakteur der Kirchenzeitung, Franz Schmutz aus St. Nikola, nennt als prägenden Eindruck dieser Zeit die Angst. Die Bevölkerung lebte in der Sorge, dass das Land an die Tschechoslowakei angegliedert werden könnte.

Blöchl


Franz Schmutz würdigt die versöhnende und aufopfernde Rolle Johann Blöchls, der auch �Vater des Mühlviertels� genannt wird. Und er erwähnt die Situation vieler Frauen. Sie haben im Krieg Söhne und Gatten verloren und die Landwirtschaft, das Leben der Familie weitergeführt. Sie haben viel durchgestanden für den Frieden und das Weiterleben, sagt Schmutz. Auch die Kirche leistete Friedensarbeit. Sie muss weiter mithelfen, dass nicht neue Auseinandersetzungen kommen. Oft schon sei in den Worten Krieg.Die Freiheit ist heute selbstverständlich. Damals war sie es nicht. Was könnte wohl eine Beobachtung des Kindes Siegbert Janko bedeutet haben: Kurz bevor die Besatzungsmächte abzogen, quartierten sich Russen im elterlichen Gasthaus ein. Sie haben den Landstrich sehr genau vermessen ...

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