Die Verehrung des Gotteswortes kann bei einer Wort-Gottes-Feier als Zeichenhandlung gestaltet werden: Die Gläubigen treten nach vor und legen die Hand auf das Lektionar. Der/die Gottesdienstleiter/in spricht dazu: „Das Wort Gottes erfülle dein Leben.“ (Das Foto wurde bei einem Ausbildungslehrgang aufgenommen).
Mehr und mehr Realität sind Wort-Gottes-Feiern an Sonntagen in Zeiten zunehmenden Priestermangels. Der Liturgiereferent der Diözese Linz erklärt die Bedeutung der jungen Form des Gottesdienstes.
KIZ: In der Anfangszeit wurden die Feiern ohne Priester Wortgottesdienst genannt, jetzt lautet die offizielle Bezeichnung: Wort-Gottes-Feiern. Warum?
Stockhammer: Sagt man „Wortgottesdienst“ entsteht der Eindruck, dass die Feier eine halbierte Messe ist, wo man das Eigentliche nicht begehen darf, weil kein Priester da ist. Der Begriff „Wort-Gottes-Feier“macht deutlich, dass es sich um eine eigenständige Form von Gottesdienst handelt.
Warum halten Sie es für wichtig, dass Pfarrgemeinden Wort-Gottes-Feiern begehen, wenn kein Priester Eucharistie feiern kann?
Es ist für das Leben einer Gemeinde wichtig, dass sie sich am Sonntag um Christus versammelt, die Begegnung mit ihm sucht und daraus lebt. Die Begegnung mit dem Wort Gottes nährt die Gemeinde, so wie der heilige Hieronymus das sagt: „Ich halte das Evangelium für den Leib Christi.“
Wie läuft eine Wort-Gottes-Feier ab?
Die Feier ist, wie ihr Name sagt, um das Gotteswort aufgebaut, die einzelnen Elemente verstehen sich als Antwort auf die Anrede Gottes. Am deutlichsten wird der eigene Charakter der Wort-Gottes-Feiern im sonntäglichen Lobpreis deutlich: Dieses zentrale Gebet beinhaltet den Dank für die Heilstaten Gottes und die Auferstehung Jesu. Auf ausdrücklichen Wunsch der Bischöfe sollen auch Segnungen ihren Platz haben wie zum Beispiel die Segnung der Erntegaben, der Palmzweige oder Kräutersegnungen. Ebenso schlägt das neue Rituale für Wort-Gottes-Feiern Zeichenhandlungen vor: Dazu gehören das Taufgedächtnis, Lichtfeiern oder Weihrauch.
Was macht die besondere Atmosphäre einer Wort-Gottes-Feier aus?
Man hat im Normalfall mehr Zeit als bei einer Eucharistiefeier und kann daher der Stille mehr Raum geben. Und der musikalischen Gestaltung.
Wir empfehlen, dass Leiter/innen liturgische Kleidung tragen. Sowohl Leiter/innen und Gemeinden erleben die Kleidung als schön und hilfreich für die Feier.
An der liturgischen Kleidung für Laien entzünden sich immer wieder Diskussionen ...
Liturgische Kleidung, die den Dienst anzeigt und Festlichkeit in die Feier bringt, ist in Österreich Konsens.
Warum sollen Wort-Gottes-Feiern nur in Ausnahmefällen mit einer Kommunionspendung verbunden werden?
Weil eine an eine Wort-Gottes-Feier „angehängte“ Kommunionspendung den Sinn der Eucharistiefeier verdunkelt, und andererseits kann keine eigenständige Wort-Gottes Frömmigkeit wachsen.
Zur Sache
Gottesdienst am Sonntag
„Die dem Sonntag entsprechende Feier ist die Eucharistie. Wo keine Eucharistie möglich ist, soll ein anderer Gottesdienst gefeiert werden,“ so eine Zusammenfassung der diözesanen Rahmenordnung für die liturgische Sonntagsfeier ohne Priester. In Oberösterreich sind 780 Frauen und Männer als Leiter/innen für Wort-Gottes-Feiern ausgebildet. Pionierarbeit hat die Kirchenmusikkommission der Diözese geleistet. Sie hat einen Behelf zur musika-lischen Gestaltung von Wort-Gottes-Feiern erstellt, der auch die klassische Musik berücksichtigt.