Nicht alles, was ein Bauer braucht, kommt aus dem Lagerhaus. Die Puchberger Bauerntagen bieten eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Grundfragen bäuerlichen Lebens.
Chancen und Risiken in der Landwirtschaft
Zur Zeit ruht zwar die Arbeit auf den Feldern. Manche Landwirte nutzen die Zeit, um sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Bei den „Puchberger Bauerntagen“ ging es unter anderem um Chancen und Risiken der Landwirtschaft im größeren Europa.
Wer profitiert? Diese Frage wurde bei den Puchberger Bauerntagen aufgeworfen. Wer profitiert von der Gentechnik? Nicht die Bauern, die Pharmaindustrie. Von den Lebensmittelpreisen? Die Lebensmittelindustrie ...!
Die österreichische Landwirtschaft spezialisiert sich zunehmend in Richtung höher wertiger Produkte. Die Rohprodukte werden importiert, hier verarbeitet und dann weiter exportiert. – Dies referierte der Wirtschaftsforscher und Lehrbeauftragte an der Universität für Bodenkultur, DI Franz Sinabell, bei den Puchberger Bauerntagen am 24. Jänner 2005. Er fügte hinzu: „Das ist gut, denn die österreichische Lebensmittelindustrie profitiert davon.“ Prompt kam der Zwischenruf: „Aber nicht der Bauer!“
Unterschiedliche Stimmung
Traditionell lädt das Bildungshaus Schloss Puchberg im Jänner zu den Bauerntagen ein. Sollen sich die Bauern Sorgen machen oder gibt es Grund zu Optimismus? Durchaus unterschiedlich war dazu die Stimmungslage, die beim agrarpolitischen Teil der heurigen Bauerntage erkennbar wurde. Einige der Sorgen-Themen, die die Teilnehmer/innen zur Sprache brachten, sind die Gentechnik, der Konkurrenzdruck aus den EU-Erweiterungsländern und das „Bauernsterben“. Die Politik sei gefordert, wenn jährlich 1,7 Prozent der Bauern aufhören, sagten Teilnehmer im Saal. Sinabell hielt dem entgegen, dass es zwar menschlich sehr schmerzlich ist, wenn niemand mehr den Hof übernimmt. „Wenn die Kinder aber eine gute Arbeit haben, braucht man sich keine Sorgen machen.“Eine Bäuerin störte diese Aussage: Das bedeute, nur jene würden überleben, die im Verdrängungswettkampf siegen. „Ich kann das aber mit meinem christlichen Verständnis nicht in Einklang bringen.“
Konsumenten-Verständnis
Sinabell: „Viel liegt schon hinter uns“. Er meint die Belastugen für unsere Bauern durch die EU-Erweiterung. Im Grunde sehe er eher die Chancen. Ein Bauer pflichtete bei. „Grundsätzlich brauchen wir in Österreich keine Angst haben. Wer ordentlich produziert, kann gut leben. Das Wichtigste ist das Verständnis der Konsumenten.“ Er lobte die hohe Qualität der landwirtschaftlichen Produkte und die strengen Qualitätskriterien der Produktion.
Übereinkunft
Eine positive Nachricht zur Konsumenten-Handel-Bauern-Verständigung ist erst einige Tage alt: Bauern und Lebensmittelhandel (Spar, Hofer, Rewe Austria – Billa, Merkur, Mondo/Penny, Emma) haben einen Pakt geschlossen. Der Handel verpflichtet sich, Produkte österreichischer Herkunft zu bevorzugen. „Besonders bei den Frischeprodukten, wie zum Beispiel Fleisch und Milch wollen wir einen größtmöglichen Anteil an heimischer Ware anbieten. Wir werden dabei auch Rücksicht auf regionale, lokale und saisonale Produkte nehmen.“
Tiertransport, Gentechnik
Zurück zu den Bauerntagen: Viele benannten eher die Probleme. Etwa, dass es widersinnig sei, bei der Tierhaltung auf beste Qualität zu achten, wenn die Tiere dann zur Schlachtung einen langen stressigen Transport haben, was die Fleischqualität mindert. Oder die Genmanipulation. Viele erwarten sich politischen Schutz, damit Österreich von Genmanipulation freie Zone bleibt. Sinabell sieht die Sache pragmatisch: Gentechnik gibt es, auf Dauer werde Österreich hier nicht widerstehen können.
Große Unterschiede
Bei uns beziehen etwa vier Prozent der Bevölkerung ihr Erwerbseinkommen aus der Landwirtschaft. Es stieg seit 2000 ganz leicht – um 5,8 Prozent. – In keinem anderen Land ist der Anteil nicht landwirtschaftlicher Tätigkeit am Bauerneinkommen (z. B. Urlaub am Bauernhof) so hoch wie bei uns. Er beträgt fast zwölf Prozent! In Polen ist jeder Fünfte in der Landwirtschaft beschäftigt.40 Prozent der EU-Bauern sind in den neuen Beitrittsländern. Trotzdem erwartet Sinabell keine erdrückendenn Probleme für unsere Bauern. Die osteuropäische Landwirtschaft erhalte weniger EU-Förderung. Bei Kulturpflanzen betrage diese für Österreich z. B. 130 Euro pro Hektar, für Polen 29 Euro. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Fläche sei in den osteuropäischen EU-Ländern zwar im Privateigentum, allerdings leben die Bodeneigentümer oft in der Stadt und haben die Gründe verpachtet. Auf gepachteten Grund werde kein Kredit gegeben. – Der osteuropäischen Landwirtschaft werde es an Kapital mangeln.