Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Wie in einem großen Drama erleben Christen am Ende der Fastenzeit die Kernbotschaft des Christentums. Sie feiern in diesen Tagen, dass sie auf die tiefsten Fragen des Lebens eine Antwort haben: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wo liegt der Sinn meines Lebens? Der am 13. März 2004 verstorbene Kardinal Dr. Franz König hat diese Fragen als die Hauptfragen des Menschseins gesehen. Die Antwort auf diese Fragen können Christen freilich nicht Wissenschaftern oder Theologen überlassen, sie müssen sie mit dem eigenen Leben geben. Die Glaubwürdigkeit der Botschaft liegt in der Glaubwürdigkeit derer, die sie bezeugen. Dass Sterben nicht Ende des Lebens bedeutet, dass Leiden nicht ohne Sinn sein muss, dass Liebe nicht ins Leere geht, darum geht es im Feiern und Beten zu Ostern. Die Leidensgeschichte Jesu, die in diesen Tagen wiederholt in den Kirchen gelesen wird, mündet in einer großen Auferstehungsgeschichte.
Jerusalem ist überall
Kinder auf der einen Seite, weise Alte auf der anderen. Die einen jubeln Jesus zu, breiten ihre Kleider vor ihm aus. Die anderen stehen skeptisch daneben. Das Evangelien-Buch von Hazah Tur Abdin in der Südosttürkei zeigt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zwischen Jubel und Skepsis – so stehen auch heute Menschen Jesus gegenüber. Christen im Tur Abdin leben ihren Glauben im Spannungsfeld der Auseinandersetzungen in Nahen Osten – mit immer wiederkehrenden Bedrohungen. Jesus selbst lebte in solchen Spannungen – und wurde zum Opfer. Jerusalem ist mehr als nur eine Stadt im Nahen Osten. Jerusalem ist überall, wo Jesus Einzug halten soll.