Kardinal Schönborn über das Interesse der Kirche an der Lehrerbildung
Ausgabe: 2005/11, Kulturkampf, Schönborn, PÄDAK, Lehrerbildung, Kardinal, Hochschule, Schachl
18.03.2005
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Zukunft der kirchlichen Pädagogischen Akademien ist in Schwebe. „Wir warten auf das Organisationsgesetz des Ministeriums. Erst dann kann man weitere Schritte setzen“, erklärt Kardinal Christoph Schönborn im Anschluss an die Bischofskonferenz.
Die Neuorganisation der Lehrer/innen Ausbildung ist österreichweit ein Thema, in Oberösterreich aber ein heißes Eisen: Steht doch die Zusammenführung von kirchlicher PÄDAK und BundesPÄDAK – beide in Linz – zur Diskussion. Welche der beiden Institutionen dabei das Sagen behält, ist völlig offen. Oder ob schlussendlich in Linz zwei Pädagogische Hochschulen nebeneinander bestehen bleiben werden. Kardinal Schönborn erläutert die Eckpunkte der kirchlichen Position für die Verhandlungen mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur: „Wir wollen in der Pflichtschullehrerbildung bleiben und zwar mit eigenen Hochschulen. Welche Standorte möglich sein werden, das ist noch offen. Sicher wird es in Wien eine eigene katholische pädagogische Hochschule geben. Ob auch an anderen Orten ist noch nicht entschieden. Es wird auch vom Bund her versucht, möglichst viele Kooperationen mit der Kirche einzugehen. Wie diese Kooperationen aussehen werden, ist ebenfalls noch schwer zu sagen.“ Die ursprünglich vier Standorte, die die Kirche angepeilt hat, werden vermutlich nicht möglich sein, so der Kardinal: „Aber es hängt davon ab, wie viele Standorte der Bund haben wird. Das ist ja bis jetzt auch nicht sicher.“ Schönborn wies darauf hin, dass die Kirche gut in den Diskussionsprozess mit dem Ministerium eingebunden ist. Derzeit werden 40 Prozent aller Pflichtschullehrkräfte Österreichs an kirchlichen Einrichtungen ausgebildet. Dass es im Zuge der Verminderung der Anzahl von PÄDAKs zu Konflikten mit „kulturkämpferischen Untertönen“ kommt, glaubt der Kardinal nicht, macht aber deutlich: „Ich habe vor Auseinandersetzungen keine Angst. Wenn sie offen geführt werden, können sie sehr fruchtbar sein. Es ist auch notwendig sich über die Frage klar zu werden, wie Lehrerbildung aussehen soll, nach welchem Menschenbild und nach welchen pädagogischen Eckdaten sie stattfinden soll. Wenn dann zwischen kirchlichen und staatlichen Institutionen eine gewisse Diskussionsdichte da ist, ist das etwas Gutes.“
Kirchliche pädagogische Hochschule Linz bleibt
Die Debatte um die Neustrukturierung zieht sich hin und sorgt auch für Verunsicherung. Dr. Hans Schachl, Direktor der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz, stellt daher klar: „Ob es in Linz zwei Hochschulen geben wird oder eine gemeinsame – wie immer die Entscheidung ausgeht – die kirchliche Hochschule in Linz wird nicht zusperren.“