Zur Seligsprechung der Nazi-Opfer Jakob Gapp und Otto Neururer wallfahrtete Franziska Jägerstätter 1996 nach Rom. Dort kam es zu einer denkwürdigen Begegnung mit Papst Johannes Paul II.
Nach der Seligsprechung waren die österreichischen Wallfahrer zur Audienz mit dem Papst geladen. Das Kirchenoberhaupt war dazumals schon immer wieder längere Zeit krank und die ersten Symptome von Parkinson ließen sich nicht mehr verbergen. Franziska Jägerstätter gehörte zu einer kleinen Gruppe, die im Anschluss an die allgemeine Begegnung nach vor zum Papst kommen durfte. Als sie an der Reihe war, fragte sie erst einmal, wie es ihm gesundheitlich gehe. Der Papst laborierte gerade an einer Grippe. Dann erst bat sie ihn um den Segen. Und zur Überraschung der Umherstehenden ergriff sie danach nochmals das Wort und fragte den Papst, ob sie ihn auch segnen darf. „Ja, bitte“, sagte der Papst und Franziska Jägerstätter zeichnete ihm ein Kreuz auf die Stirn. Johannes Paul II. hat sich sichtlich über den Segen gefreut. Bei den österreichischen Bischöfen, die das Geschehen aus nächster Nähe beobachteten, war das couragierte Auftreten von Franziska Jägerstätter Tagesgespräch. Kardinal Christoph Schönborn erinnert 1993 in seinem Glückwunschschreiben zum 90. Geburtstag von Franziska Jägerstätter ausdrücklich an dieses Erlebnis. Das Verhalten dem Papst gegenüber ist typisch für Franziska Jägerstätter, erklärt die Jägerstätter-Biographin Erna Putz: „Ihr geht es immer um den Menschen. Da spielt es keine Rolle, ob Papst oder Nachbarin. Sie hat einfach gespürt, alle wollen etwas vom Papst – da war es für sie selbstverständlich, ihn zu fragen, wie es ihm, dem Menschen Johannes Paul, geht.
Gedenkgottesdienst für Papst Johannes Paul II.
Die Katholische Kirche in Oberösterreich nimmt Abschied von Papst Johannes Paul II. am Mittwoch, 6. April um 18.15 Uhr im Linzer Mariendom. Bischof Maximilian Aichern wird für den Papst ein Requiem feiern.