Linkes Bild: Michael Wasilewski und Agnes Stefaniszyn sind erschöpft, aber glücklich aus Rom heimgekehrt. Beide sind polnischer Abstammung und leben schon viele Jahre in Linz.
Agnes Stefaniszyn: "Es war ein sehr wichtiges Ereignis in meinem Leben, Karol Jozef Wojtyla, einer sehr eindrucksvollen Persönlichkeit, die letzte Ehre erweisen zu dürfen. Als ich erfahren habe, dass ich die Möglichkeit bekomme, an diesem überwältigenden Abschied teilnehmen zu dürfen, konnte ich es vorerst nicht glauben, bis zu dem Moment, als ich in Rom aus dem Zug gestiegen bin. Die 10 Stunden in der Warteschlange empfinde ich als meinen persönlichen Kreuzweg". "Non omnis moriar".
Bildmitte: Ebenfalls ein Rom-Pilger ist Martin Jakubiak: Es war eine Ehre, mich von einer so eindrucksvollen Persönlichkeit verabschieden zu dürfen.
Rechts: P. Herbert Sojka CR ist Seelsorger der Polen in Oberösterreich, dem Papst mehrmals persönlich begegnet und von ihm tief beeindruckt.
Die vier Monate alte Viktoria und die knapp einjährige Anna waren die beiden jüngsten der 42 Wallfahrer, die von Linz mit dem Bus zum Papst-Begräbnis nach Rom fuhren.
„Die Pilgerfahrt kam auf Initiative einiger Pfarrmitglieder zustande“, erzählt P. Herbert Sojka CR, Pfarrer der polnischen Gemeinde in Oberösterreich. Mulmig war ihm zumute, als er von den Menschenmassen in Rom hörte. Vor Ort wurden seine Sorgen aber zerstreut. „Die Warteschlange wuchs zu einer einzigartigen Gemeinschaft zusammen: kein böses Wort, wir haben gebetet und gesungen“, so P. Herbert. Nach der unvorstellbar kurzen Zeit von nur vier Stunden gelangte die Gruppe aus Oberösterreich in den Petersdom. Schneller schafften es nur die beiden jüngsten Wallfahrerinnen. Die Eltern durften mit ihren Bambini einen eigenen Eingang benutzen. Diese letzte Begegnung mit dem Papst war für die Pilger der Höhepunkt der Fahrt und hat für alle Strapazen entschädigt. Da machte es nichts aus, dass sie am nächsten Tag den Begräbnisgottesdienst nur an einer Video-Wall mitfeiern konnten. „Alles in allem waren das die bewegendsten Momente in meinem Leben“, sagt Michael Wasilewski. Der 25-Jährige ist im Verkauf tätig und hat sich kurzfristig für die Romfahrt frei gemacht: „Weil ich beim Begräbnis einer derart großartigen Persönlichkeit anwesend sein wollte.“
Im Porträt
Polen-Seelsorger P. Herbert Sojka
Als Ordner beim ersten Papstbesuch in Polen, als Kommunionspender bei einer weiteren Papstvisite, die Magisterarbeit über Johannes Paul II. – P. Herbert Sojkas CR Berufung zum Priester, seine theologischen Überzeugungen und sein Wirken als Pfarrer sind auf vielfältige Weise mit Papst Johannes Paul II. verknüpft. Der Seelsorger für die polnische Gemeinde in Oberösterreich sprudelt noch über von den Eindrücken, die während der vergangenen Tage in Rom über ihn hereingestürzt sind. „Es war eine große Freude den Papst noch einmal zu sehen.“ Keine Rede davon, dass die Menschen-massen nur am Leichnam des aufgebahrten Papstes vorbeigetrieben wurden. Er konnte eine „Rosenkranzlänge“ im Petersdom bleiben. Was er in dieser Zeit erlebt hat, war überwältigend, er kann es aber noch nicht in Worte fassen: „Das muss ich erst verarbeiten.“ Der Papst war für ihn – wie für Millionen seiner Landsleute – ein Vater. Der 47-jährige Priester ist überzeugt: „Der Papst kann jetzt noch mehr für Polen machen als zu seinen Lebzeiten. Man hört ihn tiefer als früher. Erst wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es Frucht.“ Dazu braucht es nicht das Herz des Papstes in Polen, stellt er klar.