Die „9. Reichersberger Pfingstgespräche“ der ÖVP Oberösterreich im Stift Reichersberg gingen der Frage nach: „50 Jahre Staatsvertrag – die österreichische Identität: Was ist sie? Was macht sie aus?“
In seiner Begrüßung nannte Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer die Pfingstgespräche ein Hinhören auf Vordenker: Für eine christlich-demokratische Partei sei es gut, zum Fest des Geistes zusammen zu kommen. Denn „wo es keine Vordenker gibt, bleiben auch die Nachdenker aus!“ Einer der Vordenker der Pfingstgespräche war der aus Oberösterreich gebürtige Innsbrucker Bischof Dr. Manfred Scheuer. „Ist mit Identität das Wesentliche gemeint, der unaufgebbare Kern, wofür die Leute den Kopf hinhalten würden?“, fragte Bischof Scheuer. Er versuchte, mit weiteren Impulsfragen, das Gespür für Identität zu wecken. Ist Identität das, wonach ich Heimweh habe? Die Landschaft? Das, worauf wir stolz sind? Die Wurzeln der Sprache, der Gewohnheiten, Beziehungen und Freundschaften? „Ist Identität das, was wir unter Heimat verstehen, das Meinige bzw. das Unsrige ist?“ Wenn sich Identität – wie wir in unserer Bundeshymne singen – aus den bekannten Persönlichkeiten der Heimat, aus den großen Bauwerken nährt, hat es auch seinen Haken. Es gibt nicht nur Stifter und Bruckner, Kubin und Thomas Bernhard, nicht nur schöne Landschaft und großartige Architektur. Es gibt auch Hitler und Mauthausen mit der Todesstiege. Man könne nicht die eine Seite einfach dem Vergessen übergeben und auf die andere stolz sein. Es gibt das Spannungsfeld der oberösterreichischen Kultur zwischen zwei Symbolen. Das erste Symbol ist für Bischof Manfred Scheuer die Schutzmantelmadonna von Frauenstein: Solidarität und Gastfreundschaft mit Menschen in Not, 1956, 1968, 1981... Das zweite Symbol sieht Scheuer im Stück „Jagdgesellschaft“ von Thomas Bernhard: Zur Geschichte Oberösterreichs gehört auch die „Mühlviertler Hasenjagd“. Die Grenze zwischen Tätern und Schützenden ging durch die Dörfer, Verwandtschaften oder Familien. Das Gedächtnis gehöre zu unserem Leben in der Zeit. „Wer das Gedächtnis verliert, verliert die Orientierung. Es gibt aber auch die Schattenseite der Erinnerung: Wer von der eigenen Vergangenheit nicht loskommt, muss an der Gegenwart verzweifeln.“