Am 13. Mai 2005 wurden im Linzer Landhaus die Solidaritätspreise der Kirchenzeitung überreicht. Bischof Maximilian Aichern, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Landesrat Josef Ackerl würdigten die Ausgezeichneten.
„Solidarität verbindet das in allen Religionen zentrale Thema der Nächstenliebe mit dem gesellschaftlichen Bemühen, benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu schützen und die Würde aller Menschen anzuerkennen“, betonte Bischof Maximilian Aichern bei der Verleihung der Solidaritätspreise. Er nannte Solidarität ein zentrales Anliegen der heutigen Weltentwicklung. Es müsste auch eine Globalisierung der Herzen geben.
Landesrat Josef Ackerl, der aus seinem Ressort mit 5.555 Euro mehr als die Hälfte des Preisgeldes trägt, wies darauf hin, dass Solidarität zur Zeit nicht hoch im Kurs stehe: Die Gesellschaft sei gekennzeichnet von Schieflagen zwischen Arm und Reich, zwischen Konzernen und Beschäftigten, die machtlos sind. „Die Politik ist hier gefordert“, meinte der Landesrat: „Aber es tragen auch Menschen wie die Solidaritätspreisträger dazu bei, dass Dinge ins Lot kommen.“
Es dürfe nie mehr eine Zeit geben, in der zwischen wertvollem und unwerten Leben unterschieden werde, sagte Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer. „Seit dem Kriegsende hat sich viel verändert. Doch auch im Jahr 2005 gibt es schwache und ärmere Menschen. Sie müssen als Erste spüren, dass wir in einer wohlhabenden Gesellschaft leben“, so der Landeshauptmann.
Die Solidaritätspreisträger 2005
Verein ALOM
ALOM steht für Arbeiten und Lernen Oberes Mühlviertel. Der Verein ist innovativ und erfolgreich für Arbeit suchende Menschen tätig.
Frauen einer Welt
Als der Bosnienkrieg tobte , flüchten viele Frauen nach Österreich. Zur muttersprachlichen Betreuung der Flüchtlingsfrauen gründete die Volkshilfe das Projekt „Frauen einer Welt“.
Initiative „über-brücken“
Im Februar 2004 wurden Asylwerber im Rodlhof bei Ottensheim untergebracht. Sie waren versorgt, Betreuung hatten sie keine. August Schwantner (links) half als einer der Ersten. Der Kreis der Helfer/ innen wuchs – etwa durch den pfarrlichen Sozialkreis. Nun gibt es einen regionalen Zusammenschuss in der Initiative „über-brücken“.
Zeit schenken: Gruppe „Meine Zeit ist deine Zeit – assista Altenhof
Zur Gruppe „Meine Zeit ist deine Zeit – assista Altenhof“ gehören zwanzig Menschen, die ein kostbares Gut verschenken: Zeit für andere. „Meine Zeit ist deine Zeit“ sagen die Mitglieder der Gruppe zu den behinderten Bewohnern/innen des Dorfes Altenhof.
Der gute Brauch des Helfens: Anneliese Ratzenböck und Reg.-Rat Josef Mayr
Anneliese Ratzenböck (gemeinsam mit Mitgliedern von Goldhaubengruppen) ist als langjährige Leiterin von Oberösterreichs „Goldhauben“ bekannt. „Wie Brauchtum und soziales Engagement zusammenhängen”, wurde sie bei der Solidaritätspreis-Verleihung gefragt.
Ratzenböck: „Es ist ein guter Brauch in Oberösterreich, dass einer den anderen nicht im Stich lässt. Die Goldhaubenfrauen haben nicht nur Gold am Kopf, sondern auch ein goldenes Herz.“
Anneliese Ratzenböck setzt sich seit Jahrzehnten für die Menschen ein: zunächst im Caritas-Kinderdorf St. Isidor, dann wirkte sie an der Gründung der Lebenshilfe mit. Bald übernahm sie den Vorsitz im Kuratorium der MS-Gesellschaft, gründete einen Kinderkrebshilfsfonds, ist bei den „Tschernobylkindern “ tätig und ist Obfrau der „Freunde der Caritas“.
Schon länger als 50 Jahreengagiert sich Reg. Rat Josef Mayr für arme und alte Menschen in Linz-Christkönig.
Südamerika: Martin Berndorfer und Erna Friedl
Für Martin Berndorfer (Straßenkinderprojekt in Bolivien), übernahm Erna Friedl (Mitte) den Preis. Maria Essl (rechts) unterstützt mit „VIDA“ Mädchen in Armenvierteln Brasiliens.
Südosteuropa: Adelinde und Hans Peter Hofinger, Andorf,
Adelinde und Hans Peter Hofinger haben bisher fast 500 LKW-Hilftransporte nach Bulgarien, Albanien und Ostungarn organisiert.
Afrika: Dr. Regina Watschinger und Dr. Raimund Hörburger
Die Ärztin Dr. Regina Watschinger aus Linz unterstützt zwei Spitäler in Tansania. Dr. Raimund Hörburger (Gallneukirchen) engagiert sich seit drei Jahrzehnten in Burkina Faso.
BRG Wels, Wallererstraße
„Stein am Pflasterweg“: Mariella Schatzberger und Stefan Bartl über die Pflicht der Solidarität
Das BRG Wels, Wallererstraße, erhielt den Solidaritätspreis in der Kategorie „Junge Projekte“. Stellvertretend für alle Preisträger/innen hielten zwei 17-jährige Schüler des BRG eine Dankesrede.
„Anlässlich der 60-Jahr-Feiern wird man unweigerlich daran erinnert, was für schreckliche Dinge vor gar nicht allzu langer Zeit in unserem Land passiert sind. Doch nicht nur damals, sondern auch heute werden Menschen aus unterschiedlichsten Gründen misshandelt und verfolgt. Deswegen ist es unsere Pflicht, diesen Menschen in Bedrängnis zu helfen.Bei näherem Hinsehen wird klar, wie wichtig gerade in der heutigen Zeit, in der die fremdenfeindlichen Strömungen zunehmen, Solidarität mit Minderheiten ist. Wie wichtig es ist, Zivilcourage zu fördern, nicht zuzusehen, sondern zu handeln, damit so etwas, wie vor 60 Jahren, nie wieder passiert. Und genau aus diesem Grund muss den Jugendlichen von heute ein gewisses Sozialgefühl vermittelt werden, denn in den Händen von uns Jugendlichen liegt die Zukunft.
Unsere „Aktion Kilo’“ ist nur ein kleiner Stein am langen Pflasterweg, der gegangen werden muss. Doch was wären die großen Erfolge ohne die kleinen.
AKTION KILO
Die „Aktion Kilo“ der Caritas ist eines der zahlreichen Projekte, die das BRG Wels, Wallererstraße, unterstützt. Sie ist mit ein Grund für die Auszeichnung der Schule bei der diesjährigen Solidaritätspreisverleihung. Etwa 55 Schüler/innen aus zwei Klassen nahmen an der Aktion teil. Sie baten Menschen, die in Supermärkten einkauften, für Bewohner des Welser „Haus Courage“ mit einzukaufen. Das Ergebnis: zwei Kleinbusladungen mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln für die über 60 Asylwerberinnen und Asylwerber im „Haus Courage“.
„Wir waren erfreut über die positiven Reaktionen“, sagt Sophie Aschermayer. „Die Leute fanden gut, dass wir das in unserer Freizeit machten.“ Einige haben aber auch nicht geholfen. „Sie wollten nicht für Ausländer spenden“, erzählt Sarah Stöbich. Der Entschluss, sich an der Aktion zu beteiligen, kam laut Julia Eglseer nach einem Besuch im „Haus Courage“. „Bei der Übergabe der Hilfsgüter haben wir von den Bewohnern Spezialitäten aus verschiedenen Ländern bekommen“, sagt Malin Dietachmayer. „Und wir haben unsere Englischkenntnisse vertiefen können!“Abschließend möchten wir den Initiatoren dieser Veranstaltung noch einmal herzlichst danken, da wir der festen Meinung sind, dass diese Preisverleihung vielen Menschen ein Denkanstoß sein wird. Auch den anderen Preisträgern noch einmal herzlichen Glückwunsch.“