Zum 25. Mal gab es den ökumenisch-theologischen Tag, diesmal im evangelischen Begegnungshaus Waldheimat in Gallneukirchen. Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer konnte dabei wiederum auch Bischof Maximilian Aichern begrüßen.
Aufhorchen ließ Papst Benedikt der XVI. am 29. Mai, als er ankündigte, er wolle für die volle Einheit der Christen arbeiten. Dass es ein Zusammenfinden auch in den Gemeinden braucht, wurde beim ökumenisch-theologischen Tag in Gallneukirchen deutlich.
Die Zeiten, als evangelische Bauern ihre Felder zu Fronleichnam düngten, und die katholischen dafür just am Karfreitag dasselbe taten, um den jeweils anderen das Fest zu verderben, sind längst vorbei. Dass Katholiken und Evangelische von den Gepflogenheiten, Festen und Riten der jeweils anderen Konfession noch viel lernen müssen, wurde beim 25. ökumenischen Tag, der am 1. Juni in Gallneukirchen stattfand, deutlich.
Es zeigte sich aber auch, dass die Besonderheiten der einzelnen Konfessionen zu einer Bereicherung der jeweils anderen Konfession werden könnten. Ökumene zeigt nicht die Grenzen, sondern öffnet einen Raum.
Vielen evangelischen Christen ist beispielsweise katholische Marienverehrung völlig fremd, ebenso die Heiligenverehrung. Eine Tatsache, die auf Missverständnissen beruht, meint der evangelische Hochschulseelsorger Dr. Dietrich Bodenstein. „Das komme noch aus der Zeit, in der man sich bewusst voneinander unterscheiden wollte, auch wenn dies unnötig war.“ Ähnlich ist es mit der Stellung der Heiligen in der katholischen Kirche. In einem entspannteren Umgang könnten nun auch evangelische Christen Lebenszeugnisse von Menschen in einem positiven Licht sehen, so wie beispielsweise der evangelische „Märtyrer“ Dietrich Bonhoeffer auch für Katholiken zu einer Gestalt wurde, die auf Christus hinweist.
So gewinnt er auch katholischen Riten und Gebetsformen einen Sinn ab und rät, sie zu „probieren“. Das Kreuzzeichen zum Beispiel, oder sogar den Rosenkranz als eine meditative Gebetsform, bei der letztlich ja die Christusgeheimnisse im Vordergrund stehen. Extreme und Fehlformen können die Botschaft verdunkeln – und werden dann auch zu Stolpersteinen in der Ökumene.
Katholiken könnten schließlich von evangelischen Christen lernen, sich noch viel mehr mit der Bibel zu beschäftigen. Sie ist ja, meint Bodingstein, die „Ur-Kunde“ des Glaubens. Auch die Wertschätzung des geistlichen Liedes in der evangelischen Kirche sei ein großer Schatz. „Die Reformation hat sich nicht zuletzt durch die Lieder in die Herzen der Menschen hineingesungen“ meint Bodingstein. Deutlich werde darin auch, dass der Glaube zu einer spürbaren Freude führt – und dass es nicht nur auf Verpflichtungen ankommt.
Gespannt sind nun katholische wie evangelische Seelsorger, was der neue Papst im Blick auf die Ökumene vorhat. Im süditalienischen Bari hat er seine Aussagen über die Ökumene in einem engen Zusammenhang mit dem Thema Sonntag und Eucharistie gebracht.
Papst Benedikt XVI. kündigte in Bari indes neue konkrete Gesten der Ökumene an, um die Ökumene voranzubringen. Gute Absichten allein, sagte er, genügen nicht.
ZUR SACHE
Abenteuer Spiritualität
Zum evangelischen „Jahresthema „Abenteuer Spiritualität“ sprach beim ökumenischen Tag der katholische Theologe Dr. Adi Trawöger. Christliche Spiritualität hat mit einer Grundüberzeugung zu tun und könne sich an fünf Leitideen orientieren, meinte er.
Aufmerksamkeit
Mit allen Sinnen gilt es da zu sein, die Welt der Menschen auf sich zukommen zu lassen.
Liebe zur Wirklichkeit
Echte Spiritualität träumt sich über die Wirklichkeit nicht hinweg, sie führt vielmehr in die Welt hinein, bleibt aber nicht in ihr stehen. Sie ist immer verbunden mit einer Hoffnung.
Freude und Freiheit
Christen sollen etwas ausstrahlen von der Freude – und zwar nicht erst im Jenseits. In Gottesdiensten soll eine Atmosphäre der Freude da sein und ausstrahlen.
Mystik und Politik
Innerlichkeit meint keine Scheu vor der Wirklichkeit. Dasein vor Gott ist mit einer Liebe zur Wirklichkeit verbunden.
Liebe als Therapie
Liebe mag den anderen gut leiden. Gewaltlosigkeit und Feindesliebe sind eine „Therapie“ bei Konflikten.
„Geistliches Leben ist kein Hobby, sondern ein Leben aus ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit dem ganzen Gemüt“, meint Dr. Trawöger.