Vor zirka dreißig Jahren lernte ich die Möglichkeiten von elektrischen Keyboards kennen. Eine zweimanualige elektrische Orgel mit Vollpedal (Bausatz) gab mir 1977 die Möglichkeit, „klassische“ Orgelliteratur daheim zu üben, das Instrument erfüllte 25 Jahre seinen Zweck.
Nach dieser Zeit war die Elektronik veraltet, die Nachfolgerin ist eine digitale Orgel (Johannus 3-manualig, ca.7000 Euro). Über Kopfhörer in den Abendstunden gespielt, bleibt auch der Friede mit den Nachbarn erhalten, im Winter gibt es keine Unterkühlungen.
Für Kirchenräume ist jedoch auch meiner Meinung nach die mechanische Pfeifenorgel nur in wenigen Fällen ersetzbar. Würde manchmal eine finanzierbare Digitalorgel den Musikernachwuchs motivieren, wenn ein altes schlechtes Instrument längere Zeit nicht erneuert werden kann? Wir haben im Raum Steyr einige gute Instrumente, und jede gute Pfeifenorgel ist für mich ein „lebendes“ Kunstwerk.
Franz Waldhäusl, Betriebsrat WEBA Werkzeugbau BetriebsGmbH
Ich finde das Niveau, auf das die Digitalorgel-Debatte in der Kirchenzeitung abgesackt ist, in einzelnen Fällen primitiv, unsäglich, indiskutabel. Was soll beispielsweise das Steinzeitargument „Plastikrose“ und dergleichen mehr an Faustkeilen der Digital-Verteufelung?
„Ein Teufelszeug, das ehestens entsorgt werden muss“, stand auf einem Zettel in einer deutschen Kirche, anonym auf der Orgelbank abgelegt. „Glumpert“, das nur wenige Jahre hält. inzwischen sind es Jahrzehnte mit ebensolcher Garantie. Die Tatsache, dass eine digitale Kirchenorgel 1/10 bis 1/20 des Preises einer gleichwertigen Pfeifenorgel erfordert, macht sie für immer mehr Pfarren zur einzig möglichen Wahl, will man sich budgetär nicht verbluten. Noch kein Gläubiger hat schreiend das Gotteshaus verlassen, wenn eine digitale Orgel gespielt wurde. Aber kaum ein Pfarrer kann auf elektronische Hilfe (Mikrophon) verzichten. Nur bei der Orgel wetzen die „Digital-Kannibalen“ ihre Messer ...
Prof. Johannes Zopf, Chefredakteur von „Okey – Orgel heute. Digitale Sakralorgel – nah gesehen“