Was gibt es zu feiern? Diese Frage stellten sich wohl manche der 350 Teilnehmer/innen beim Tag der Katholischen Arbeitnehmer/innen Bewegung und der Betriebsseelsorge, der just das Feiern betonte.
Was gibt es zu feiern angesichts des Befunds des Festredners Wolfgang Kessler von der Zeitschrift „Publik Forum“? Er traf am 11. Juni die Stimmungslagevieler im Papiermachermuseum Steyrermühl, dem Gastort der Veranstaltung. Kessler sprach vom Gefühl im Zeitalter des Neoliberalismus, dass der Mensch nichts mehr zähle und nur noch ein Rädchen in einem anonymen Gefüge sei. Doch – es gab und gibt viel zu feiern und zu würdigen. Zunächst wurde Bischof Maximilian Aichern mit demonstrativ langem Applaus begrüßt und für seine Verdienste um die kleinen Leute gewürdigt. Und es gibt zu feiern, dass Gemeinschaft stärkt – eine gerade in KAB und Betriebsseelsorge gepflegte Erfahrung. Auch Bischof Aichern unterstrich den Wert des Feierns: Vielleicht sei manchmal unter dem Druck der notwendigen Arbeit das Feiern etwas zu kurz gekommen, meinte er. „Aber es gehört dazu!“ Der Bischof sprach den Menschen im Saal Mut zu: „Ihr wart und seid wirklich Kirche in der Welt der Arbeit ... Ihr habt andererseits die Anliegen und Sorgen der Arbeitswelt in die Kirche hereingebracht.“Der Befund Kesslers war nicht neu, in seiner kompakten Form aber zunächst deprimierend: Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern des puren Kapitalismus wird immer größer ... An den Finanzbörsen wird täglich unzählige Mal mehr Spekulationsgeld umgesetzt, als weltweit für Waren und Dienstleistungskäufe aufgebracht wird... Das Kapital streckt nach allem die Greifer aus - Krankenhäuser werden beispielsweise an Private verkauft. Heilung soll Gewinn bringen ... Aber Kessler richtete nach dem Befund die Zuhörerschaft mit Beispielen des „Es-geht-auch-Anders“ auf. Dänemark zum Beispiel führte ein flächendeckendes Öko-Steuersystem ein und senkte für die unteren Einkommen die Besteuerung. Mit einer Luxussteuer werden soziale Dienstleistungen ausgebaut. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. In Bremen hat sich die Belegschaft eines Stahlwerkes erfolgreich gewehrt: Nach einer Fusionierung sollten 1.700 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Belegschaft legte die Arbeit nieder und erzwang eine andere sozialverträgliche und zudem wirtschaftlich erfolgreiche Lösung!