Der 29. Juni, der Festtag der Apostel Petrus und Paulus, ist traditionell der Tag der Priesterweihe. Heuer gibt es für die Diözese Linz keinen Weihekandidaten.
Herr Regens Pumberger, Herr Spiritual Hintermaier was geht Ihnen als Verantwortliche für die Priesterausbildung durch den Kopf, wenn Sie an den 29. Juni denken?
Spiritual Hintermaier: Für mich ist das der Tag der Erinnerung an meine eigene Weihe. Ich habe damit einen Lebensweg begonnen, der mich erfüllt. Und so tut es mir leid, dass sich heuer niemand für diesen Weg entschieden hat.
Regens Pumberger: Als weiteren Aspekt möchte ich den Blick auf die Personalsituation in der Diözese lenken. Der Priestermangel wird immer bedrängender. Ich frage mich aber auch, was es heißt, dass aus einer Diözese mit einer Million Katholiken kein Nachwuchs kommt. Berufungen sind sicher auch ein Zeichen der Lebendigkeit von Kirche. Wie lebendig sind unsere Gemeinden?
Sie sehen also eine große Verantwortung in den Pfarren?
Spiritual: Berufung ereignet sich im Normalfall nicht wie ein Blitz, der plötzlich einschlägt, sondern Berufung reift in der Begegnung mit anderen und mit Gott.
Regens: Dass ein Mann auf die Idee kommt, Priester zu werden, dazu braucht es ein Umfeld. Geistliche Berufung lebt vom Vorbild und vom Anreden. Es ist ganz wichtig, dass in den Pfarren wertschätzend über den Priesterberuf gesprochen wird.
Warum tun sich die Pfarren allem Anschein nach so schwer mit dem Anreden junger Männer ?
Regens: Unsere Pfarren und ihre Arbeit haben hohe Qualität, strahlen für Jugendliche aber oft wenig Lebendigkeit aus. Wir müssen hier von neuen geistlichen Gemeinschaften und Gebetsgruppen lernen. Die ermutigen junge Männer, schicken sie auf den Weg zum Priestertum und stützen sie auch.
Dass so wenige Männer auf die Idee kommen, Priester zu werden, kann nicht nur an den Pfarren liegen ...
Spiritual: Das hängt natürlich auch ganz wesentlich mit der Werteorientierung in der Gesellschaft zusammen. Es ist nicht im gesellschaftlichen Bewusstsein, dass eine Entscheidung für das Priestertum ein Gewinn für das Leben ist.
Die drei Priester, die geweiht werden, gehören Ordensgemeinschaften an. Was ist dort attraktiver?
Regens: Die Gemeinschaft ist sicher eine Stütze. Das hat ein Diözesanpriester nicht auf diese Weise.
Die Gemeinschaft im Seminar ist sehr klein. Wäre es nicht sinnvoll, Seminare in Österreich zu fusionieren?
Regens: Das Zusammenleben ist in der Ausbildung ganz wichtig: als Unterstützung und als Reibebaum. Wenn eine Hausgemeinschaft zu klein wird, kann sie das nicht mehr leisten. Aus diesem Grund werden Konzepte für eine überdiözesane Ausbildung angedacht werden müssen. Dem Priesterseminar Linz gehören 14 Männer an: acht leben im Haus in Linz, drei auswärts und drei bereiten sich in Horn auf das Studium vor.