„Vor den Folgen des medizinischen Fortschritts warnt der Biowissenschafter DDr. Johannes Huber.
Schloss Hartheim. Rückschau an die unleugbare Tatsache, dass von den Nationalsozialisten hier mehr als 30.000 Menschen als „lebensunwertes Leben“ getötet wurden. Am 14. Juni 2005 war Gründungsversammlung der „Stiftung Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim“. Der „Festvortrag“ des Gynäkologen und Theologen Prof. DDr. Johannes Huber ließ manchen Kalten Schauer über den Rücken laufen. Entbrennt auf ganz anderem Gebiet ein Kampf um die Frage, wer leben darf? Die Prognosen des Biowissenschafters stimmen nachdenklich. Seit es gelungen ist, die Medizin mit den modernsten Computertechnologien hochzurüsten, hat die Medizin eine kaum mehr beherrschbare Entwicklung genommen.Erst am 2. Mai 2005 sei es gelungen, alle 38.000 menschlichen Gene auf medizinische Faktoren zu untersuchen. „Das erlaubt zu sagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Frau, die die Pille nimmt, an Thrombose erkranken wird. Männern wird man schon mit 20, 30 Jahren sagen können, ob sie an Prostata-Krebs erkranken werden. Nicht erst, wenn Menschen krank werden, wird man sie behandeln, sondern lange vorher. Das die erfreuliche Entwicklung. Jede mögliche Behinderung wird sich voraussehen lassen. Aber so gut wie kein Mensch lebt ohne Behinderungen. Von besonderer Brisanz ist die Tatsache, dass man dem Schlüssel für den Alterungsprozess schon sehr nahe gekommen ist. Der Weg dazu, wie Prof. Huber es ausdrückt: „Der Lauschangriff auf die Schwangerschaft“. Prozesse, die sich in der Schangerschaft abspielen, versucht man im Alter noch einmal wirksam werden zu lassen. Mit der Stammzellentherapie wird es gelingen, Gehirn, Bauchspeicheldrüse und das Herz praktisch zu erneuern und zu regenerieren. Die Folgen sieht Prof. Huber – auch Vorsitzender der von der Bundesregierung 2001 installieren Ethikkommission – dramatisch. Ab dem Jahr 2010 rechnet die Weltgesundheitsorganisation mit einer „Explosion“ der Zahl der über 85-Jährigen. Die Überalterung wird dann zu einem ethischen Problem. Die wenigen jungen Menschen werden sich in einer Welt der Alten wiederfinden. „Da gibt es kein Halten mehr“, fürchtet Huber. „Keine Partei wird imstande sein, die Gewalt der Straße aufzuhalten.“ Was möglich ist, werden die Menschen auch fordern. Darf die Medizin das, was sie kann? Diese Frage wird sich die Gesellschaft stellen müssen. Die Medizin, fürchtet Huber, wird sich nach der Mehrheit richten. Es müsse aber – neben dem Prinzip der Mehrheit – noch andere Prinzipien geben: Nicht nur was man kann, sondern auch, was gut ist. „Die Medizin“, sagt Huber, „ist zu gut geworden.“ Das ist ihr Problem. So manchem Forscher ist bei all den wunderbaren Ergebnissen nicht mehr recht wohl in seiner Haut.
Zum Thema
Stiftung HartheimDer israelische Staatspräsident gehört ihr ebenso an wie der österreichische Bundespräsident und Bundeskanzler. Über Parteigrenzen hinweg gehören ihr alle Landesregierungsmitglieder und die Landtagsabgeordneten an. dazu die Führungspersönlichkeiten aus den christlichen Konfessionen und Religionsgemeinschaftne, dazu rund 300 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Kultur in Oberösterreich. Die Rede ist von der Stiftung Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim. Am Dienstag, 14. Juni fand die feierliche Gründungsversammlung statt. Die Stiftung soll Geld für die Sicherung des Lern- und Gedenkortes auftreiben. „Es geht aber nicht nur um Geld, sondern um die Identifikation der Oberösterreicher mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte“, betonte der Initiator der Stiftung, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, bei der Eröffnungsversammlung.
Für die Stiftung hat die Landesregierung bereits zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Proponenten, Firmen und Spender sollen weitere Mittel beisteuern. Dr. Reinhard Dyk von der Landeskulturdirektion ist Geschäftsführer der Stiftung.