Das Festjahr zur Kirchweihe bringt für Kleinreifling einen besonderen Einschnitt. Pfarrer Leopold Nösterer geht in Pension und es wird kein Nachfolger kommen. Eine Neuorientierung der Pfarre ist gefordert.
Bis zu zweieinhalb Stunden Fußweg mussten manche Bewohner von Kleinreifling zurücklegen, um nach Weyer in die Kirche zu kommen. Dass sich knapp vor dem ersten Weltkrieg ein Kirchenbauverein gründete, ist nur allzu verständlich, zumal auch der Bahnknotenpunkt Kleinreifling zu einem aufstrebenden Ort machte. Es dauerte bis 1955, ehe eine eigene Kirche geweiht werden konnte.
Kirche von Stausee bedroht
Doch ein Kraftwerksprojekt sollte die Kirche wieder zum Verschwinden bringen. Geplant war in Kastenreith das größte Flussstauwerk Österreichs mit einer 90 hohen Meter Staumauer, das den ganzen Ort unter Wasser gesetzt und 2.000 Menschen zur Absiedlung gezwungen hätte. Auch eine 1968 verwirklichte kleinere Variante bedeutete die Verlegung des Ortsteils Hammergraben mit 22 Häusern. Das ist die Geburtsstunde des jetzigen Ortskerns um die Kirche. Seit fast einem halbem Jahrhundert ist Leopold Nösterer Pfarrer in Kleinreifling. Der Wandel, der sich in dieser Zeit ereignet hat, ist beeindruckend. Als er 1959 kam, zählte die Pfarre 1.110 Katholiken, heute 805. Vierzig Männer übten den Beruf des Holzarbeiters aus, heute nur noch einer. Und die Eisenbahner, die zweite große Berufsgruppe, die den Ort prägte, sind ähnlich zurückgegangen.
Kein Dornröschenschlaf
Trotz allem, Kleinreifling zeichnet ein lebendiges Pfarrleben aus: Von der Jungschar über Jugend bis Männer- und Frauenbewegung ist die katholische Aktion mit all ihren Gliederungen vertreten – und aktiv. So blickt der 84-jährige Seelsdorger optimistisch in die Zukunft: „Ich konnte nur solange in der Pfarre bleiben, weil die Leute schon bisher sehr engagiert mitgearbeitet haben. Die Pfarre wird sicher nicht in einen Dornröschenschlaf versinken.“ Konkret ist ab September geplant: Pfarrer Franz Wimmer aus Maria Neustift wird Pfarrprovisor in Kleinreifling und der Pfarrgemeinderat wird die verschiedenen Aufgaben der Pfarrleitung übernehmen.
Pfarrgemeinderat ist jung
Pfarrer Nösterer bleibt im Pfarrhof wohnen. Auch wenn die neuen Herausforderungen für den Pfarrgemeinderat noch nicht bis ins Detail feststehen, sagt Pfarrer Nösterer: „Im Pfarrgemeinderat sind viele junge Leute. Ich bin voll Zuversicht, dass der neue Weg gut wird und die Pfarrbevölkerung die neue Situation auch annimmt.“ Die Kirche hat in der Vergangenheit viel dazu beigetragen, dass sich Kleinreifling zu einer richtigen Dorfgemeinschaft entwickeln konnte. Die Pfarre wird auch künftig zur Entfaltung des Ortes beitragen, so der Pfarrer.
Bischof Aichern feiert mit der Pfarre am 26. Juni 2005 um 9.30 Uhr und spendet die Firmung.