Seit ihrem 14. Lebensjahr hat Emma Schwertberger in St. Marienkirchen die Orgel gespielt. Mit 80 Jahren geht sie jetzt in den Ruhestand. „Eigentlich war es als Zwischenlösung geplant“, erzählt die Pensionistin. Aber weil diese oft am längsten dauern, kann Emma Schwertberger auf 66 Jahre zurückblicken, in denen sie die Pfarrbevölkerung in St. Marienkirchen an der Polsenz mit ihrem Orgelspiel erfreut hat. Weil die Nationalsozialisten dem damaligen Organisten als Schuldirektor jeglichen Kirchendienst verboten hatten, ersuchte er die Eltern, der 14-jährigen „Emmi“ das Orgelspielen zu erlauben. „Ich habe mich darüber gefreut“, erinnert sie sich. Der Gottesdienst war ihr wichtig und Arbeit zu finden nicht einfach.Jeden Tag im DienstKaum ein Tag verging in diesen Jahrzehnten, an dem in St. Marienkirchen nicht das Orgelspiel der treuen Organistin ertönte: Auch zu den Frühmessen an den Wochentagen verrichtete Schwertberger ehrenamtlich ihren Dienst. Trotz eines angeborenen Hüftleidens legte sie bis zuletzt den Weg zur Kirche zu Fuß zurück – um dann die steile Wendeltreppe zur Orgel hinaufzusteigen.Das Orgelspielen gehe ihr nicht ab, versichert die Pensionistin: „Der Ruhestand tut mir gut!“ Nur manchmal, wenn an einem Sonntag ein besonderes Fest gefeiert wird, hilft sie noch gerne aus. „Man gibt weiter, was einem der liebe Gott gegeben hat“, beschreibt Schwertberger ihr Motto.Mit einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger sieht es nicht so rosig aus. Manche zeigen zwar Interesse, aber nur kurz. Das liege an der Angst, dem Anspruch nicht gerecht zu werden, oder an der Einstellung: „Viele fürchten das Wort ,Dienst’.“