Viele Priester anderer Kulturen helfen im Sommer in oö. Pfarren aus
Ausgabe: 2005/33, Priester als Doppel-Botschafter, Urlaubsvertretung, Kirche in Oberösterreich, Tansania
17.08.2005
- Ernst Gansinger
Priester aus fernen Ländern helfen während der Urlaubszeit in österreichischen Pfarren aus. Sie sind Botschafter in zwei Richtungen: nach Österreich und in ihre Heimat.
58 Priester aus 15 Ländern der Welt helfen im Sommer den urlaubenden Pfarrern der Katholischen Kirche in Oberösterreich. Sie machen durchschnittlich vier Wochen Urlaubsvertretungen. In Neumarkt im Mühlkreis zum Beispiel unterstützt die Pfarrgemeinde Pater Malema Lui Mwanampepo aus Tansania und kam nun auch für seinen Flug nach Österreich auf. Eine Familie im Ort beherbergt und bekocht den fernen Gast.
Zwischen Pater Malema und der Pfarre Neumarkt besteht schon seit 22 Jahren eine gute Beziehung. Pater Malema ist 58 Jahre alt, lebt in Tansania und kam 1983 zum ersten Mal zur Aushilfe für Pfarrer Rudolf Köttstorfer nach Neumarkt. In den zwei darauf folgenden Jahren besuchte er die Pfarrgemeinde ebenfalls. Seither wird er von der Pfarre und Einzelpersonen unterstützt. In Neumarkt vertritt er heuer seit 7. Juli den Pfarrer. Er fühlt sich sehr wohl, spricht gut Deutsch und pflegt die Kontakte. Im Lebensstandard Österreichs und seines Heimatlandes nimmt er große Unterschiede wahr. In Österreich sind zum Beispiel alle Orte beleuchtet, in Tansania nur die größeren Städte. Ein Liter Benzin kostet in Tansania zwei Euro. Sein Monatsverdienst von rund 30 Euro würde also für 15 Liter Benzin reichen, aber dann für sonst nichts mehr. Das Wasser ist knapp, die Straßen sind schlecht... Die Österreicher, stellt er fest, sind sehr gute Menschen, sie tun sehr viel für die Dritte Welt. An der österreichischen Kirche findet er sehr positiv, dass die Menschen sagen: „Wir sind und gestalten Kirche.“ An seinem Land gefällt ihm, dass die Leute glücklich sind, obwohl sie viele Probleme haben. Sie geben den Mut und die Hoffnung nicht auf.
Ein anderer Priester aus Tansania verlässt Österreich Ende August nach einem Jahr seelsorglichen Wirkens in unserer Diözese: Dr. Audax Mukandara war in Gmunden, Marchtrenk und schließlich in Hörsching Kaplan. Er kehrt zurück in seine Heimatdiözese Singida. Zum Abschied betont er, wie dankbar er der Diözese Linz und der Kirche Österreichs ist. Er hat starke Unterstützung durch den Bischof erfahren. Die Solidarität der Menschen ist groß. Ohne Missio Austria würde es in seiner Heimat viele kirchliche Einrichtungen nicht geben, etwa die sehr gut besuchten Priesterseminare. Dr. Mukandara freut sich nun auf seine Heimat. Die Kirche Tansanias ist jung und lebendig. Alleine in seiner Diözese gibt es sieben Noviziate verschiedener Orden. Die Kirche Afrikas müsse sich besonders der armen Menschen annehmen, sagt er. Armut ist die Ursache für viele Krankheiten. Da es keine Sozialversicherung und keine gesundheitliche Grundversorgung gibt, ist die medizinische Betreuung durch kirchliche Angebote für viele Menschen die einzige Hoffnung.
Lexikon: Tansania
Tansania, Ostafrika: 945.000 km2, 38 Mio. Einwohner, Lebenserwartung der Frauen: 44 Jahre, der Männer: 42 Jahre,60 % Analphabeten. Tansania ist ein multikultureller und multireligiöser Staat (40 % Moslems, 35 % Christen, vorwiegend Katholiken, 20 % gehören traditionellen afrikanischen Religionen an). Die Völker und Religionen bilden eine gesellschaftliche und kulturelle Einheit. Der gemeinsamen Sprache Kiswahili kommt dabei eine wichtige Rolle zu.